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Der Traum des Ruhelosen
 
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Der Traum des Ruhelosen [Taschenbuch]

Bruce Chatwin , Jan Borm , Matthew Graves , Anna Kamp
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 250 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 4., Aufl. (November 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596137292
  • ISBN-13: 978-3596137299
  • Größe und/oder Gewicht: 18,9 x 11,9 x 1,9 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 269.304 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Bruce Chatwin
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Nomadentum als Alternative

Verstreute Schriften von Bruce Chatwin

Bruce Chatwin starb 1989 im Alter von 48 Jahren. Er hatte verbreitet, er leide an einer seltenen Pilzerkrankung, die das Rückenmark zerstöre und durch den Verzehr eines mehrhundertjährigen Eies in China ausgelöst worden sei. Diese Mystifikation war typisch für jemanden, dessen Leben und Persönlichkeit alle, die ihn lasen, zum Träumen brachte und dessen Enthusiasmus allen, die ihn kannten, die Welt aufregender und interessanter erscheinen liess.

Laufbahn

Mit 18 Jahren wurde Chatwin Laufbursche bei Sotheby's, mit 22 Direktor der Impressionistenabteilung – einer der jüngsten Direktoren, die das Auktionshaus je hatte. Auf eine vorübergehende psychosomatische Erblindung folgte eine Reise nach Sudan, wo Chatwin eine Art Bekehrung erlebte. Er quittierte seine Stellung und begann, prähistorische Archäologie zu studieren. Und er arbeitete an einem Buch, das immer dicker und immer unpublizierbarer wurde. Währenddessen schrieb er als freier Journalist für die «Sunday Times». 1975 sandte er das inzwischen mythische Telegramm an den Redaktor: «Bin nach Patagonien gefahren.»

Von dort brachte Chatwin das Material für sein erstes und bekanntestes Buch, «In Patagonien» (1977), mit. Künftig schrieb er für die angesehensten englischen und amerikanischen Zeitungen und Zeitschriften. Fünf weitere Bücher folgten; sie sind so verschieden, als stamme jedes von einem anderen Autor, wäre da nicht eine gewisse Einheit des Stils, der Obsessionen, der Weltsicht. «Was mache ich hier?», eine Sammlung von Kurzprosa und journalistischen Texten, hatte Chatwin noch selbst zusammengestellt; sie erschien wenige Monate nach seinem Tod an Aids. Dann übernahmen die Verleger.

Zweifelhafte Nachlassverwaltung

Chatwin hat rund 50 schwarze, kleinformatige Moleskin-Hefte mit Reisenotizen hinterlassen. Auszüge daraus erschienen im Bildband «Auf Reisen» (1993), der zeigte, dass Chatwin auch mit dem Photoapparat umzugehen verstand. Diese Notizen aus Mauretanien, Westafrika und Afghanistan sind nicht uninteressant, aber es sind eben Notizen. Man fragt sich, ob Chatwin, ein besessener Stilist, einer Publikation zugestimmt hätte. Und jetzt haben Verleger und Nutzniesser von Chatwins Werk die Zitrone weiter ausgepresst: «Anatomy of Restlessness» (1996), auf deutsch unter dem pathetisch-raunenden Titel «Der Traum des Ruhelosen» veröffentlicht, ist eine Sammlung verstreuter, mehrheitlich journalistischer Texte. Einige fanden sich bereits in «Was mache ich hier?» und werden jetzt rezykliert.

Als ich Chatwin 1987 in London besuchte, arbeitete er gerade an seinem letzten Roman, «Utz» (1988). Er wohnte in Belgravia in einer kleinen Wohnung im obersten Stock; das winzige Schlafzimmer hatte ein Glasdach, auf das der Regen prasselte. In diesem Pied-à-terre, karg ausgestattet, hell und luftig, hielt sich einer auf, der dauernd auf dem Sprung war und ohne Neigung, sich im Kokon einer saturierten Häuslichkeit einzuspinnen. Wie Chatwin in den Besitz dieser Wohnung gekommen war und was sie ihm bedeutete, erfährt man im Text «Ein Ort, wo man seinen Hut aufhängen kann».

Nach einem Monat am selben Ort werde er unruhig, nach zwei Monaten unausstehlich, schrieb Chatwin. Er begeisterte sich für Nomaden und ihre Kultur und wollte über das In-Bewegung-Sein ein Buch schreiben, das er seinem Verleger in einem ausführlichen, im vorliegenden Band enthaltenen Brief erläutert und das «Die nomadische Alternative» heissen sollte. Ein Kapitel dieses schliesslich aufgegebenen Projekts ist in «Der Traum des Ruhelosen» abgedruckt; es erschien ursprünglich im Katalog zu einer Ausstellung in New York über die Kunst der Nomaden, die Chatwin 1970 mitorganisiert hatte. Erfrischend darin sind Chatwins breites Wissen und sein Enthusiasmus, der ihn zu Thesen inspirierte, denen die Wissenschaft nicht unbedingt zustimmte. Chatwins ausgeprägt persönlicher Blickwinkel macht alle seine Gelegenheitstexte lesenswert. Wenn Chatwin etwa den autobiographischen Band «Mountain, Marsh and Desert» von Wilfred Thesiger rezensiert, der sein Leben unter afrikanischen und arabischen Nomaden verbrachte, erfährt man soviel über Autor und Buch wie über Chatwin selbst. Das Reisen ist der rote Faden im Leben und Werk Chatwins, wobei der gelegentliche Überschwang seinen Blick für den Unterschied zwischen echtem Nomadentum und seinem eigenen, durch materiellen Überfluss ermöglichten Umherziehen nicht trübt.

Horizonte

Ich fragte Chatwin damals, was ihm das Reisen bedeute: «In der Schule brachte man uns bei, dass ein Mann nicht nur Ingenieur oder Anwalt werden kann, sondern auch Beamter in den Kolonien. Es gab ein Empire, eine ganze Welt jenseits des insulären England. Irgendwie glaubten wir, die Welt sei Englands Hinterhof. Diese Vorstellung hielt an bis zur Suezkrise 1956, als Harold Macmillan die veränderte Situation im berühmten Diktum ‹The winds have changed› zum Ausdruck brachte. Für uns Junge war Reisen damals nicht Selbstzweck, es gehörte einfach dazu. Man konnte nach London, aber ebensogut in die Südsee gehen. Diese Vorstellung hat mich bis heute nicht verlassen. Wenn ich meine Sachen packe, nehme ich mir nicht vor, eine Reise zu unternehmen. Ich gehe einfach weg.»

«Der Traum des Ruhelosen» ist in fünf Abteilungen gegliedert: Autobiographisches, Erzählungen, Texte zum Nomadentum, Buchrezensionen, Texte zur Kunst. Im letzten Kapitel beeindruckt ein Aufsatz über Capri und die «Narzissten» Munthe, Malaparte und Adelswärd-Fersen, die auf dieser Insel lebten und sich in einem übersteigerten architektonischen Rahmen selbst inszenierten. Aufschlussreich ist auch Chatwins ikonoklastischer Vortrag, gehalten 1973 anlässlich einer Benefizauktion zugunsten des Roten Kreuzes. Er zeigt, wie tief sein Dégoût vor dem Kommerz mit der Kunst war, als er 1965 Sotheby's, einer brillanten Karriere und den Artefakten den Rücken kehrte und sich der Askese und dem Unterwegssein zuwandte.

Atmosphärisches

Wie eine Rezension in Chatwins Hand zu Literatur werden kann, demonstriert sein Aufsatz über Osvaldo Bayers Studie «Die Rächer des tragischen Patagonien». Geschrieben, als er «In Patagonien» abgeschlossen hatte, vermittelt der Text eine geraffte Darstellung der Anarchistenaufstände auf den britischen Schaffarmen Südpatagoniens in den zwanziger Jahren. Geschichte und eigene Erlebnisse und Begegnungen, Kritik und einen stupenden Sinn fürs Atmosphärische verbindend, lässt Chatwin hier das Bild einer fremden, grausamen, melancholischen Welt entstehen, so halluzinierend, dass die Fakten, die Namen und die Daten den Eindruck von Irrealität nur noch verstärken.

Georg Sütterlin -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundene Ausgabe .

Kurzbeschreibung

Bruce Chatwin gilt als einer der bedeutendsten Reiseschriftsteller unseres Jahrhunderts. Doch immer schon hat er sich unterschiedlichen Metiers gewidmet. Er war Kunstexperte bei Sotheby's, Archäologe, Sammler, Rezensent und Reporter. In diesem Band finden sich Texte aus seinem Nachlaß, die diese Vielfalt spiegeln. Es sind Geschichten und Reiseskizzen, Artikel und Essays, durch die sich wie ein roter Faden die Motive ziehen, die Chatwins Denken und Schreiben seit jeher bestimmen: Verwurzelung und Heimatlosigkeit, Fernweh und Fremde, Exotik und Exil, Besitz und Freiheit, Sammelleidenschaft und Schönheit der Dinge.

»Die magische Wirkung von Chatwins Prosa entfaltet sich auch in diesen kürzeren Texten ... Sie beweisen einmal mehr, daß der "Berufsnomade" ein Autor ersten Ranges war.«
Tagesanzeiger

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Reisen auf Papier. 12. April 2007
Format:Taschenbuch
Woran erkennt man eine gute Buchhandlung? Ich habe da so meine eigene Theorie entwickelt. Meist sind die Bücher nicht wie Zinnsoldaten in Regalen gestapelt, sondern liegen auch mal gestapelt auf dem Boden. Wenn Du in so einem Laden die Verkäuferin, oder den Verkäufer, nach einem Schriftsteller fragst, weiß er eine Antwort und: Wenn du nach Bruce Chatwin fragst, wirst Du auf eine Tasse Tee und Gebäck eingeladen. Kein Scherz, ist mir wirklich schon passiert. Chatwin fristet in den Köpfen der heutigen Leser sein posthumes Dasein als "Reiseschriftsteller." Eine Bezeichnung die, meiner Ansicht nach, den Kern seines Werkes nicht trifft. Sicher war Chatwin viel unterwegs, aber was er aufs Papier brachte, waren detailgenaue Beschreibungen von Menschen und Situationen, so wie das kaum ein anderer Schriftsteller konnte. Wenn man Geschichten mit Bildern vergleicht, dann war Chatwin ein Meister der Radierung. Wenig Farben, aber extrem scharfe Konturen, die einem den Blick aufs Wesentliche lenkten. Seine Geschichten sind immer etwas abseits des Mainstream, finden Figuren, die verschüttet oder vergessen sind. Er hat ein Herz für das kauzige, schräge und absonderliche Talent im Leben der Menschen. Und er kann erzählen. Leicht und beschwingt, dass man einfach nur zuhören möchte. Dem Traum des Ruhelosen liegt dabei Chatwins ureigene Theorie zugrunde, dass der Mensch reisen muss, ums sein Glück zu "erfahren." Das wir genetische Nomaden sind, die ihrem ruhelosen Schicksal nicht entkommen können. Die Theorie ist bis heute nicht ausgereift, hört sich manchmal abwegig an, aber wenn Chatwin sie erzählt, mit Inbrunst, Liebe und Überzeugung, dann will man glauben, ganz bestimmt. Chatwin formuliert und fabuliert in einer Art und Weise, die seit seinem Tod nicht mehr unter uns weilt. Dabei liegt sein Vermächtnis in seinen Schriften. Der Traum des Ruhelosen ist dabei ein Kleinod, das ihn unsterblich gemacht hat.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Bruce Chatwin, der in seinen Werken das Wandern durch die Welt und die Zeit wie kein anderer Schriftsteller realisiert, liebt das Gelegentliche, Spontane, Unfertige, Fragmentarische genauso wie den formal abgeschlossenen Roman und die abgerundete Erzählung.

Diese Sammlung von verschiedensten Schriften des Autors, herausgegeben vom Jan Borm und Matthew Graves bringt im ersten Teil kurze Texte zum Thema "Horreur du domicile", wie z.B.: "Ein Ort, wo man seinen Hut aufhängen kann". Es sind diese kurzen Essays von Chatwin, die man an ihm so liebt.

Im zweiten Teil mehr Geschichten aus aller Welt, wunderschön banal, kühl und abwegig, jenseits des Mainstreams und doch Allerweltsstories.

Der dritte Teil bringt Teile des Schlüsselthemas in Chatwins Werk: ein von ihm für unpublizierbar gehaltenen Buches über "Die Nomadische Alternative". Hier kommt der Ruhelose wirklich auf seine Rechnung, er entwirft in kreativer Weise seine Theorien, belegt mit Beispielen und vor allem aus eigenen Erfahrungen, alles in seinem brillianten, lässigen Journalistenstil.

Teil 4 : die Rezensionen über Wilfred Thesiger, R.L.Stevenson und Konrad Lorenz zeugen von Chatwins aussergewöhnlicher Beobachtungsgabe und scharfer Zunge.

Der letzte Teil nennt sich "Die Kunst der Bilderzerstörer" und beschäftigt sich unter anderem mit dem Fetischismus eines Kunstsammlers, dem Tod eines Briefmarkenmalers, dem Modigliano einer exzentrischen New Yorkerin.

Alles in allem ein kulinarischer Leckerbissen vom Feinsten, sehr empfehlenswert.

Auch wer Chatwin noch nicht kennt, kann hier die ganze Bandbreite seines literarischen Könnens erleben.

Extrem empfehlenswert.
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5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Wunderbare Texte! 6. Dezember 2006
Format:Taschenbuch
Gesammelte Reportagen und Trouvaillen von einem der besten Reiseschreiftsteller aller Zeiten. Frühe Geschichten, die er für Magazine geschrieben hat, lakonisch im Ton, immer ein bisschen distanziert - aber unglaublich intensiv. Solche Reporter und Reportagen gibt es nur im angelsächsischen Raum - eine Tradition, die es bei uns irgendwie nicht in die Magazine und Buchhandlungen geschafft hat. Sehr, sehr schade. Denn so wie Bruce Chatwin von der Welt erzählt, könnte man stundenlang von ihr lesen. Und da macht es dann gar nichts, dass man selbst an manche Orte vielleicht nie hinkommen wird. Ein Traum für alle, die berührende Geschichten lieben und mehr als nur "Stories" wollen.
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