Die Problematik des Buches besteht darin, dass überwiegend Extrema herangezogen werden. Die Utopisten, Nazis, Anthropisten usw. versuchten, außerhalb des bis dahin üblichen Rahmens neue Wege zu beschreiten. Durchgesetzt hat sich keine der Ansichten (zum Teil leider, zum Teil Gott sei Dank!). Afrikanische Ureinwohner, Inuit, Samurais haben ihre Kinderbetreuung ihren Bedürfnissen angepasst. Ihre Methoden passen jedoch nur sehr, sehr eingeschränkt in unsere Kultur.
Pallas Buch hilft Geschichtsinteressierten sicherlich beim Sondieren: Sein ausgiebiges, zum Teil seitenweises Zitieren hemmt dabei leider den Lesefluss. Aber man weiß am Ende zumindest, was man nicht zu vertiefen braucht.
Wir lernen aus der Geschichte (tun wir das wirklich?), aber was lernen wir aus diesem Buch? Dass die Spartiaten und Nazis Krieger heranzuzüchten gedachten? Dass Erziehung zur Zeit der Aufklärung nach heutigen Maßstäben nicht unbedingt human war? Das Russen ihre Kinder prügeln? Dass Eskimos und Trobriand-Einwohner in ihrer Ursprünglichkeit die besseren Menschen sind. Oder dass sie doch Wilde" sind?
Am Ende des Buchs blieb für mich das Gefühl, nichts gewonnen zu haben. Das macht das Buch nicht unbedingt schlecht. Es macht es für mich aber entbehrlich.