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Romuald Karmakar hat begonnen als Dokumentarfilmer und ist bekannt geworden mit Warheads, einem Film, in dem er Legionäre und Söldner so lange reden lässt, bis sich ihr Innerstes hinter all den Lügen und den Posen offenbart. Dem berüchtigten Mörder Haarmann (Götz George), seiner Person wie seinen Taten, nähert er sich über das Protokoll des psychiatrischen Gutachters Dr. Ernst Schultze (Jürgen Hentsch). Er hat den Worten dieser beiden nichts hinzugefügt, er hat die Gespräche nur gekürzt und ihnen damit eine Dramaturgie verliehen, die uns immer tiefer in die Welt des Fritz Haarmanns hineinzieht.
Die Morde des Metzgers und Polizeispitzels, der kleine Jungen zu sich nach Hause mitnahm, sie tötete und Teile ihrer Leichen zu Wurst verarbeitete, waren damals, 1924/25, mehr als nur Verbrechen, die die Öffentlichkeit in Aufruhr versetzten, sie waren ein Politikum. Diese politische, über den triebgestörten Täter und seine Opfer hinausweisende Dimension ist allgegenwärtig in Der Totmacher. Romuald Karmakar zeichnet das Psychogramm eines Mannes und seiner Zeit. Selten hat ein Film die Unsicherheit und den mehr als nur latenten Hang zur Selbstzerstörung eines ganzen Staates -- eben der Weimarer Republik -- mit einer solchen Genauigkeit und Schärfe in seinen Bildern eingefangen.
Wie Götz George im Verlauf der Gespräche zwischen dem Mörder und dem Psychologen (dessen klares Weltbild sich weiter und weiter trübt, bis ihm schließlich keine seiner Gewissheiten bleibt) immer mehr zu Haarmann wird, ist schon gespenstisch. Da gibt es keine schützende Distanz zwischen ihm und der Rolle. Er taucht so tief ein in Haarmann, in diese verstörte und verstörende Kreatur, dass man vergisst, einen Schauspieler zu sehen. Das ist nicht das Porträt eines Monsters, eines Schlächters, der in einem Kinderlied zur Inkarnation des schwarzen Mannes wurde. Götz George erschafft hier einen Menschen, eine tragische Gestalt, die nach Liebe gierte und doch nur Tod und Zerstörung kannte. Das Monströse wird kenntlich als ein Teil des Menschlichen, mit dem wir alle umgehen müssen. --Sascha Westphal
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"Der Totmacher" beruht auf den original protokollierten Aufzeichnungen während der polizeilichen-psychologischen Untersuchung und der Gespräche die mit Fritz Haarmann (genial und meisterhaft verkörpert von Götz George) während dieser ganzen 6 Wochen im Jahre 1924 von statten gingen.
Aufgebaut ist der Film als ein reines "Kammerspiel", da zu 98% des Filmes lediglich nur der Verhörraum zu sehen ist, in welchem sich (bis auf wenige Ausnahmen) zumeist nur Fritz Haarmann, der Psychologe und der psychologische Assistent (welcher die ganzen Gespräche protokolliert) darin befinden. Lediglich noch vier weitere Darsteller wird man in diesen insgesamt 110 packenden und spannenden Minuten noch zusätzlich zu Gesicht bekommen... aber jeweils nur für eine sehr, sehr kurze Zeit bis eben wieder lediglich die oben erwähnten "drei Hauptakteure" wieder von der Kamera eingefangen werden.
Trotz des "martialischen" Titels werden keine Mordopfer oder Gewaltakte dargestellt... alles findet lediglich "nur" in diesen intensiven und sehr detaillierten Gesprächen (und letztendlich somit auch in der Fantasie des Zuschauers!) statt. Vor allem Götz Georges herrausragendes Schauspiel ist von solch einer Intensität durchtränkt, das man ihm den geistig-gestörten Fritz Haarmann zu jeder einzelnen dieser spannenden und dicht-atmosphärischen Minuten abnimmt! Wahrlich eine ganz, ganz grosse Schauspielkunst, die hier geboten wird.
"Der Totmacher" gilt heute als modernes Meisterwerk des deutschen Films... und dies wahrlich zu recht. Denn DIESEN Götz George in Hochform und eine Kamera die immer nahe am Geschehen dran ist und den Zuschauer in seinen Bann reist, darf man sich definitiv NICHT entgehen lassen!
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