Viele Ärzte neigen irgendwann einmal dazu, ihre spannendsten Fälle zu Papier bringen zu wollen.
Da der Arztberuf zweifelsohne alle Höhen und Tiefen des menschlichen Seins (mit-)erlebt, ist das durchaus nachvollziehbar.
Bei lebenden Patienten - und bei Toten.
Dieses Buch ist auf zahlreichen Wegen positiv und negativ ins Gespräch gekommen, und ich habe es mir geliehen und durchgelesen, weil:
ich mir erstens gerne eine eigene Meinung bilde und
zweitens nach mehr als zwei Jahren eigener Arbeit in der Rechtsmedizin an einer Darstellung des Faches durch den Leiter der Abteilung der Charite interessiert war.
Leider hat mich das Buch sehr enttäuscht.
Die Gründe möchte ich näher erläutern, der Leser der Rezension und der potentielle Käufer kann sich selber ein Bild machen, ob ihn meine Kritikpunkte stören und daraus seine persönliche Kaufempfehlung ableiten.
Erstens finde ich es - schlicht und ergreifend - langweilig.
Da dies bei einem Buch zum Thema Rechtsmedizin schon recht schwierig ist, möchte ich darauf hinweisen, dass es nicht an den Fällen liegt:
Diese sind zwar nicht wirklich neu, aber durchaus gut gewählt und könnten Spannung bieten, wenn der Schreibstil etwas mitreissender, fesselnder und persönlicher und weniger trocken wäre.
Seine Fakten und die beschriebenen Techniken sind Interessierten, auch Nicht-Fachleuten bzw. Fachärzten hinreichend aus anderen Büchern bekannt.
Der Leser bekommt durch regelmäßige Wiederholungen den Eindruck vermittelt, Herr Tsokos hätte viele Dinge nur beschrieben, um auf den Unterschied zwischen der Realität und CSI oder ähnlichen Serien hinzuweisen.
Schade eigentlich, das sollte die Berliner Rechtsmedizin nicht nötig haben... dazu hat sie einen zu guten Ruf.
Die Biografie von Müller wird sich ja auch nicht an Prof. Brinkmann und die von Baumann nicht an Scrubs messen.
Wer sich ernsthaft für die geschmackvolle Darstellung von rechtsmedizinischen Fällen interessiert, liegt hier trotzdem nicht unbedingt falsch.
Ich gebe für die oben genannten Punkte und vor allem für den Schreibstil drei Punkte Abzug, bleiben zwei ehrliche Punkte.
Wer einen anderen Geschmack in Bezug auf Schreibstil hat als ich, kann im Geiste noch zwei Punkte dazuzählen, und mit insgesamt vier Sternen das Buch kaufen.