Ewa Moreno, bisher eine Polizistin aus van Veeterens Stab, ermittelt hier in ihrem ersten eigenen Fall: Auf der Fahrt in den Urlaub begegnet sie Mikaela, einer 18jährigen, die erst gerade erfahren hat, wer ihr Vater ist, und dass dieser seit 16 Jahren in der Psychiatrie sitzt. Mikaela will ihren Vater kennen lernen, verschwindet aber spurlos, nachdem sie ihn besucht und mit ihm gesprochen hat. Ewa schaltet sich in die Ermittlungen ein, trotz Urlaub, und obwohl ihr der leitende Beamte Vrommel Steine in den Weg legt. Die Spur des Falles führt zurück zu einem Mord, den angeblich Mikaelas Vater begangen haben soll.
Die fundierte und gut konstruierte Geschichte hat mir gefallen, auch Ewa als neue Ermittlerin im Zentrum des Geschehens. Geschickt verlässt Nesser manchmal die Ebene der Aufklärung und fügt Kapitel ein, in denen das Geschehen um Mikaela, ihren Vater und andere Personen geschildert wird; der Leser weiss etwas mehr als die Polizei, aber nicht soviel, dass er der Lösung konkret näher kommt.
Aber der zweite Fall, die Aussage des Verbrechers, den Ewa verhört, dass einer der Polizisten in Maardam, Ewas heimischen Behörde, ein Kinderschänder sei, erscheint mir wie angeklebt und völlig irrelevant für die Hauptgeschichte. Den Täter ermittelt Münster von zuhause aus, und es wird der Schuldige aus dem Hut gezaubert ohne dass der Leser am Hergang der Ermittlung beteiligt ist. Oder sollte diese Geschichte nur dazu erzählt werden, um van Veeteren zum Schluss noch einen Auftritt zu gönnen? Ich hätte mir "ein bißchen mehr van Veeteren" gewünscht; schließlich habe ich ihn schon durch ein paar Romane hindurch begeleitet und wüsste gern, wie es ihm in seinem neuen Leben mit alten Büchern geht.
Für einen Leser, der noch nie einen Hakan Nesser-Roman gelesen hat, ist dieses Buch nicht zu empfehlen; dass man Personen wie van Veeteren oder Münster schon kennt, wird eigentlich vorausgesetzt, v.a. am Schluss des Buches.
Trotz der Kritik halte ich das Buch für einen guten und lesenswerten Krimi.