In einem County mit 15ooo Einwohnern im State Florida kommt es zu einem brutalen Mord an einer freizügigen jungen Frau, die am gleichen Abend Besuch von einem attraktiven, aber geistig langsamen jungen Mann bekam, der später gesehen wurde, wie er aus ihrem Trailer stürzte und sich übergab. Für die örtliche Polizei und den faulen, aber ehrgeizigen Generalstaatsanwalt ein leichtes Spiel, bei dem man nur gewinnen konnte. Und so landete Rudy auch prompt in der Todeszelle, weil der puertoricanischen Mutter schnell das Geld ausging um sich eine Staranwältin leisten zu können und Rudy auf den Beistand eines ständig betrunkenen Pfichtverteigers angewiesen war. Wie gesagt, ein leichtes, vorhersehbares Spiel. Über zehn Jahre später, kurz vor dem Hinrichtungstermin, kommt jedoch Jack Tobin, ein Staranwalt aus Miami mit New Yorker Wurzeln ins Spiel und mischt die selbstzufriedene Provinzjustitia auf.
"Der Todeskandidat" ist ein rasant geschriebener Justizthriller mit der Dramaturgie eines amerikanischen B-Movies und ist daher - vor allem im zweiten Teil sehr melodramatisch. In diesem zweiten Teil, in dem die Wandlung Tobins vom Saulus zum Paulus erfolgt, wird dem uramerikanische Traum von der "Gerechtigkeit" gehuldigt. Das gehört dazu und ist vielleicht als Trostpflaster gedacht, für die gnadenlose Abrechnung mit dem amerikanischen Rechtssystem, in dem möglicherweise nicht einmal viel Geld zu einem gerechten Verfahren verhelfen kann.
Trotz der sehr anschaulichen und flotten Sprache ist dieser Roman nicht immer einfach zu lesen, weil die verschiedenen Zeitebenen und die vielen Rückblenden (mit vielen autobiografischen Anleihen) vor allem im ersten Teil etwas verwirrend sein können. Trotzdem: Kaufen und sich auf einen langen Tag oder lange Nacht einstellen!