Eigentlich wollte Claire Pascal nach einer Entführung keine Strafrechtsprozesse mehr annehmen. Aber dann wird Ian Clemence, vor 12 Jahren wegen Mordes an seiner Freundin verurteilt, erneut verdächtigt, einen Mord begangen zu haben. Er beteuert seine Unschuld.
Wenn man sich lange genug gewundert hat, warum Claras Entführung zwar dauernd erwähnt, aber nie deutlicher beschrieben wird, und warum die Ermittler und ihre Querelen untereinander als eigenartig bekannt vorausgesetzt scheinen, findet man unter dem Titel "Warte bis es dunkel wird" ein Buch, das alle Fragen beantworten würde. Leider hat der Verlag keinen Hinweis gegeben, dass "Der Tod kennt kein Vergessen" ein Fortsetzungsroman ist.
Ein zweiter Vorwurf ist dem Verlag wegen des Klappentextes zu machen, der wie folgt endet: "Dennoch willigt sie (= Clara) ein, Ian zu verteidigen. Eine fatale Entscheidung, denn auf der Flucht vor einer Meute, ..., wird Clara zusammen mit dem mutmaßlichen Mörder in eine Zelle gesperrt ..." Das, was hier nach dem Höhepunkt des Buches oder der entscheidenden Passage klingt, entpuppt sich als eine von mehreren Szenen, in denen Clara mit ihrer Klaustrophobie konfrontiert wird und geht nach wenigen Abschnitten unspektakulär zu Ende.
Abgesehen von diesen Makeln, die ja mit Plot und Ausarbeitung nichts zu tun haben, ist es ein "normaler" Krimi, von Atmosphäre, Thema und Hintergrund eher amerikanisch als englisch, nicht überwältigend originell, aber auch nicht langweilig.
Von einigen Szenen, die zunächst unlogisch wirken - warum beschäftigt sich Clara zunächst mit dem Fall des Ehepaares und wechselt dann problemlos zur Seite des Bedrohers? - weiss man erst zum Schluss, dass die Autorin sie aus dramaturgischen Gründen eingebaut hat, wünscht sich aber, dass sie glaubwürdigere Übergänge geschaffen hätte.
Trotz allem ist Clara als Person nicht gut greifbar, daher empfehle ich, vor diesem Buch erst "Warte bis es dunkel wird" zu lesen.