Ein Buch, das schwer einzuordnen ist.
Ein "Hard boiled" Krimi im Stil der schwarzen Serie?
Dafür sprechen Zeit und Ort (ein heruntergekommenes Vergnügungsviertel ganz in der Nähe Hollywoods im Jahre 1949). Dafür sprechen auch die beschädigten, teilweise pathologischen Charaktere der Romanfiguren: gescheiterte Existenzen, Verlierer, alternde Schauspieler und als Ich-Erzähler der Autor selbst, noch ein junger Nobody der Literatur, der sich mit mühsam verkauften Kurzgeschichten am Rande des Existenzminimums dahinschleppt.
Dagegen spricht aber, dass knallharte Fakten fehlen und man noch nicht einmal weiss, ob es sich bei den beschriebenen Todesfällen um Morde oder um Unfälle bzw. natürliche Tode handelt.
Ein "Whodunit" im Stil des britischen Detektivromans?
Dafür ist die Handlung viel zu unlogisch, zu verworren und zu sehr am Rande des (Alp-)Traums.
Am ehesten erinnert mich der Stil an einige Geschichten Edgar Allan Poes, in denen die gestörte Psyche des Protagonisten ihre eigene zwanghafte Logik entwickelt (z.B. "The tell-tale heart" oder die Figur des Roderic Usher).
Spannend wird der Roman, wenn man sich ganz auf die Stimmungen und die Psychologie der Figuren einlässt und die Logik hintanstellt. Dann entfaltet sich ein typischer "Bradbury", in dem Poesie, Melancholie, Fiebertraum und das namenlose Grauen immer dicht beieinander liegen.
Ein Buch, das schwer einzuordnen ist. Das aber seinen Reiz gerade aus dieser Gratwanderung am Rande des Genres bezieht. Liebhaber des psychologischen Kriminalromans mit einem Hang zum kafkaesken kommen hier auf ihre Kosten. Und wer Bradburys Kurzgeschichten mag, wird sich auch hier schnell einlesen.
Ray Bradbury hat noch eine Fortsetzung geschrieben; mit den gleichen Hauptpersonen und zeitlich daran anknüpfend ("Friedhof für Verrückte").