Betrachtet man den eigentlichen Buchtitel "Der Tod ist ein Meister aus Wien", so kann dieser direkt Mehrdeutig ausgelegt werden.
Im Vergleich zu den wirklichen und auch definitv belegbaren Taten des Lagerchefs Göth, ist das nicht machbar.
Grausamkeit, Kaltblütigkeit und unerbittlicher Hass, den Amon Göth ausstrahlt und verkörpert, bereiten während der Lektüre des Buches gar "dem Wissenden Leser", bzw. dem geschichtlich Bewanderten ein Neues fast kaum messbares Maß an Schrecken.
Die geschilderten Taten, die sich während des 2. Weltkrieges in Plaszow zugetragen haben, belaufen sich fernab jeder Menschlichkeit.
Natürlich sind die schrecklichen Taten einiger Nazi Massenmörder schon länger bekannt, doch das Buch von Sachslehner schlägt im wahrsten Sinne ein neues Kapitel auf.
Die tragische Darstellung der bewegenden Einzelschicksale der Lagerhäftlinge, die berührenden Familiengeschichten, Erzählungen von Trennung und ewigem Abschied werden hier ebenso erwähnt wie jene Personen, die sich im direkten Umfeld von Göth aufhielten.
Die empathische Verbindung zwischen Leser und "Opfer" scheint zwar direkt zu Beginn ein grauenvolles Limit zu erreichen, das im Laufe der Biographie jedoch wieder durch unvorstellbare Taten und Handlungen sprichwörtlich niedergerissen wird.
In anderen Worten: Man kann sich die mentalen, sowie die physischen Leiden der vorkommenden Menschen wohl nicht ansatzweise vorstellen, obgleich einen während des Lesens eine unglaubliche Wut, gepaart mit einer fast paralysierenden Hilflosigkeit, die wiederum schnell in Verachtung den Tätern gegenüber mündet.
Die Person Amon Leopold Göth war leider nicht nur skruppelloser Vollstrecker von willkürlichen Todesurteilen, viel mehr besaß er die zweifelhafte Fähigkeit jene zu beanspruchen, die ähnlich herzlos auf die gleiche Weise töteten.
Göth, der durchschnittliche Schüler, unauffällig im Wesen, fast schon zu normal wurde im Laufe der Jahre, mit Anstieg seiner politischen Macht, mit Wachstum seiner persönlichen Reputation zu dem Monster, der eine komplette jüdische Generation auf ewig prädigen sollte.
Seinen widerlichen Anspruch über das Leben und den Tod von unschuldigen entscheiden zu wollen, lässt ihn im Nachhinein noch berechnender und unmenschlicher erscheinen.
Die Biographie von Johannes Sachslehner macht genau diesen Prozess deutlich, den doch so viele Vor- als auch während seiner Zeit durchmachten. Unterstützt, begünstigt und gefördert von der SS Maschinerie, konnte er seinen Weg zum grausamen Lager Kommandanten fast ohne Hindernisse bewältigen.
Das Leid und den ständigen Druck seiner Nähe ausgesetzt zu seinen, haben vor allem seine Frau und seine unzähligen Geliebten erfahren müssen.
Ein Leben an der Seite eines unberechenbaren Killers prägte auch deren Leben entscheidend.
Erschreckendes Fazit, betreffend des Menschen Amon Göth: Töten kann zur Routine, wenn nicht gar zur Befriedigung der eigenen "Gelüste" werden. In diesem Buch wird deutlich, in welch einen Strudel der damalige Lagerchef geraten ist. Ein Strudel aus willkürlichem töten, sadistischen quälereien und perverser Freude an der Grausamkeit.
Fazit zur Lektüre: Eine detaillierte Biographie über eine im negativen Sinne interessante Persönlichkeit. Realistisch dargestellt, brilliant geschrieben und recherchiert. Ein Paradebeispiel zu was Menschen im Umgang mit anderen Menschen fähig sein können. Erschreckend, trauigerweise faszinierend.
Absolut empfehlenswert!