"Sebastian Faulks schreibt als Ian Fleming" - an dieser vollmundige Ankündigung, die er wahrscheinlich noch nicht einmal selbst zu Verantworten hat, muss sich der Autor messen lassen.
Und genau darin liegt das Problem. Es beschleicht den Leser ständig das Gefühl, Faulks hätte mit aller Gewalt versucht, Fleming zu imitieren, ohne ihn je zu erreichen. Lediglich kurz vor Schluß, in den Szenen, die in Russland spielen, fühlt man sich ein wenig mehr in die Welt von Fleming hinein versetzt.
Ansonsten wirkt vieles sehr bemüht und gekünstelt. Beginnend mit dem Tennismatch, dass nicht wirklich an die brillanten Schilderungen des Kartenspiels aus "Mondblitz" oder der Golfpartie aus "Goldfinger" heranreicht und einiges an Spannung vermissen lässt, über einen Bösewicht namens Julius Gorner, dessen Motive für seine Taten mehr als schwach erscheinen und der einem ansonsten doch sehr an Hugo Drax aus "Mondblitz" erinnert, ein Bondgirl, das insgesamt in vier verschiedenen Indentitäten auftrittt, ohne den Leser jemals wirklich zu berühren, bis hin zu einer recht wirren und mit Logikfehlern behafteten Story, die ihre guten Ansätze (Persien der Schahzeit als Kulisse, Bond im Feindesland) fahrlässig verschleudert und die im großen und ganzen sehr linear und vorhersehbar abläuft. Warum Bond bei seiner Flucht aus Russland kein einziges Mal mit SMERSCH
Darüber ermüden die häufig eingetreuten Anspielungen auf Personen und Orte aus frühreren Fleming Romanen auf Dauer. Man hat ein wenig den Eindruck, der Autor wollte unbedingt beweisen, dass er sich in der Bond Literatur auskennt.
Faulks versucht scheinbar auch den "Filmbond" Fans gerecht zu werden, indem er technische Gadgets wie zum Beispiel eine Türöffnung per Zahlencode in die Story einbaut, die aber auf Grund der Tatsache, dass sie im Jahre 2007 selbstverständlich sind, eher befremdlich und deplaziert wirken.
Kopfschütteln erzeugt bei einem solch abitionierten Projekt die Tatsache, dass sich ein grober Fehler eingeschlichen hat - Bond fährt mit dem Zug von Moskau nach Leningrad und verlässt dann den Moskauer (!) Bahnhof - hier ist die Frage, ob der Fehler schon im Englischen Original exisistiert , oder ob hier die Deutsche Übersetzung, die sich mit dem einfallslosen Titel "Der Tod ist erst der Anfang" sowieso nicht mit Ruhm bekleckert hat, beteiligt war. Dagegen amüsiert die Tatsache, dass der Bösewicht bei Faulks in einem Mercedes 300 D(iesel) Cabriolet durch die Gegend fährt, doch eher. Entweder Gorner ist ein früher Vorreiter der Ökowelle oder der Autor meint das 300 S Cabriolet, ein Fahrzeug, welches 1967 aber schon hoffnungslos veraltet war. Autonarr Fleming hätte sich hier sicherlich für ein moderneres Gefährt entschieden, abgesehen davon wäre ihm der Fehler mit der Modellbezeichnung sicherlich nicht unterlaufen.
Warum trotzdem 3 Sterne? Weil der Roman trotz einiger Schwächen doch besser ist als vieles, was John Gardner und Raymond Benson geschrieben haben, weil er trotzdem Momente bereithält, bei denen man den Bond vor dem geistigen Auge sieht, den Ian Fleming erschaffen hat und weil man sich letztlich wünscht, dass Faulks die Chance bekommt, noch einen Bond Roman zu schreiben, einen, den "Sebastian Faulks als Sebastian Faulks" verfasst.