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Der Tod und ich, wir zwei.
 
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Der Tod und ich, wir zwei. [Taschenbuch]

Arnold Stadler
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Taschenbuch: 222 Seiten
  • Verlag: Suhrkamp; Auflage: 6 (1998)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3518393642
  • ISBN-13: 978-3518393642
  • Größe und/oder Gewicht: 18 x 10,9 x 1,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 381.512 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Arnold Stadler
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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Auf Wurmhöhe

Arnold Stadlers Roman «Der Tod und ich, wir zwei»

Von Bruno Steiger

«Wie ich nach Rom gekommen bin, so ging ich: trostlos, im Grunde unbelehrt, ins Ungewisse. Und ausserdem: nun dick, nun grauhaarig, ein Trinker.» In diesem Bild sah sich der Erzähler gegen Ende des Romans «Mein Hund, meine Sau, mein Leben», mit dem sich der 1954 in Messkirch geborene, heute in Freiburg lebende Arnold Stadler vor zwei Jahren als einer der originellsten zeitgenössischen Autoren endgültig etablierte. Im neuen Buch, seinem vierten Roman (Stadler ist auch mit Gedichten hervorgetreten), ist der Protagonist möglicherweise im Ungewissen, sicher aber unten angelangt; «so weit unten, dass es mein Ziel war, ebenerdig zu leben, im Souterrain».

«Auf Ameisen-, auf Wurmhöhe, praktisch schon auf Höhe der Toten» haust er; schreibt er. Schön geworden ist er, «du bist so schön wie Freddy Quinn», sagt sein Onkel zu ihm. Und, als wäre Schön- und Untensein nicht genug, ist er jetzt klein, ein Bodennaher, der die Welt definiert als das, was ihn nie wahrgenommen hat.

Als «Zwerg» bezeichnet er sich stolz. Der Stolz – trotz «Urangst vor Zwergen, vor dem Zwerg » – scheint begründet: «Wir stammten alle von der spanischen Zwergenlinie ab, wie sie Velazquez gemalt hat.» Die phantastische Genealogie ragt weit, schräg in die Gegenwart:

«Ich (1,59) war also etwas kleiner als Heidegger, unwesentliche zwei Zentimeter, aber gute zehn grösser als Schliemann, sieben mehr als Onassis, vier grösser als Picasso, und gerade lumpige zwei Zentimeter kleiner als Humphrey Bogart. Ich schöpfte Hoffnung, meine Liste gab mir Boden unter den Füssen, auch den Frauen gegenüber, von denen ich die grössten Kleinen ebenfalls eintrug: Königin Elizabeth II. von Grossbritannien (1,40), Soraja (1,43), die Frau von Ionesco (1,32), deren Vornamen ich im Augenblick nicht weiss, Rita Pavone (1,35), Rita Süssmuth (1,44), eine deutsche Politikerin.»

Aus dieser doppelten, gelebten wie bewohnten Untrigkeit heraus startet er seine Bekanntschaftsanzeigen; – oder träumt sich zu Heideggers Enkelin hoch, die er heiraten will, «um ihm einen Urenkel zu schenken». Den wenig noblen Hintergedanken dabei verhehlt er nicht.

Von Verwandten handelten alle bisherigen Bücher Stadlers; Urgrossonkel und Grossmütter, Tanten und Nichten und Cousins und Angeheiratete bilden den engen, vom Badischen bis ins ferne Patagonien verfransten Kreis seines Personals. Auffallend selten, fast nie werden Allernächste, nämlich Vater und Mutter genannt; und auch der durch alle Romane geisternde Heidegger spielt seine wichtige, stets leise und seltsam unfroh belächelte Rolle immer nur am Rand.

Ein Onkel ist es diesmal, dem das Gedenken des Erzählers gilt. Geschildert werden Henry von Nullmeyers letzte Lebensjahre vom siebzigsten Geburtstag bis zu seinem Ableben mit neunzig und die Zeit danach, in welcher der Erzähler, gegen Ende nicht nur zum Vormund des alten Mannes, sondern schliesslich auch – zusammen mit Cousine Irma – zum «Universalerben» geworden, die Briefsammlung des Verblichenen verscherbelt und an seinem «Onkelbuch» schreibt.

Aber nicht um das Leben des Verwandten, nicht um Schicksale geht es in erster Linie. Des Erzählers Interesse gilt dem Verwandtsein als solchem, dem Sich-verwandt-Fühlen als Bedingung von Einsicht, von Erinnerung und Begreifen generell. Nicht über Bekanntwerden erschliesst sich Welt, sondern über Verwandtschaft – und das ist nicht allein die fatale, immer liebevoll-spöttisch apostrophierte «Geistesverwandtschaft», in der etwa ein Kafka zu «meinem lungenkranken Grossvater» sich ernannt sieht, sondern die buchstäbliche leibliche – das heisst in Stadlers Werk ebenso diffus wie hohnvoll-verquält immer wieder auch: homosexuell getönte – Verwandtschaft.

«Erinnerung: zweite Gegenwart» heisst ein Kapitel. Wie Erinnerung durch Erfindung in Gegenwart (Kunst) verwandelt wird, ist das Projekt Arnold Stadlers. Wo seine früheren Bücher in einer ebenso komplexen wie äusserst kunstvoll herabgekühlten Inszenierung dieses «Zweite» – das, nach Valéry, das «Austauschbare» ist – heraus- bzw. herstellten, scheint hier das Programm nur bedingt eingelöst. Der Kolportageverdacht ist etwa im Buchmittelteil, wo ganz offensichtlich Erinnerungsmüll aus seiner, des Autors eigener Vergangenheit ungefiltert aneinandergeschoben wird, nur knapp abzuwehren.

Um so interessanter deshalb der auch dieses Buch flankierende para-erzählerische Apparat, in den Stadler seine Geschichten einzubetten pflegt. In diesen mehrfach verdrehten, schief geschichteten Staffeln von erbarmungslos augenzwinkernden Vor- und Nachbemerkungen hievt sich seine Prosa aus dem Betroffenheitsrahmen heraus und – immer weit diesseits jeder biederen Unterhaltungsrealistik – hinüber in das, was ganz wörtlich Literatur der Gegenwart genannt werden darf.

In der letzten, tollsten Zugabe wird nachgetragen, auf welche Weise dieser «Neffe» gerade mit diesem «Onkel» verwandt geworden ist: über eine Annonce natürlich, auf die sich nicht nur «viele Menschen, gerade auch Frauen» meldeten, sondern eben auch Herr von Nullmeyer. Als Erkennungsbelege beim Rendez-vous dienten Photos: «Das Heideggerfoto hat den Ausschlag gegeben, dass ich auf Henry hereingefallen bin.»

Dass er seine eigenen Erkennungsmerkmale «Witz und melancholische Selbstironie» (Verlagswerbung) streckenweise nicht als Medium, sondern als Mittel (um nicht Zweck zu sagen) zum Einsatz bringt, mag der Grund sein, dass der Leser diesmal etwas zögerlicher als sonst auf Stadler hereinfällt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Aus dem Leben eines Taugenichts, Erbschleichers und Hasadeurs: die sogenannte feine Gesellschaft und ihre unfeine Gegenwelt in einem Buch voll hinreißender Komik und bitterer Einsichten.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
5 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Was für eine Type ist dieser Erbschleicher Engelbert Hotz aus dem Hotzenwald? Jahrelang wartet er im Schatten seines vermögenden und vermeintlichen Gönners Henry auf dessen Hinscheiden, immer an seinen Lippen hängend, um ihm den Satz "Für Dich ist gesorgt!" von den Lippen zu lecken, und am Ende steht er da mit nichts, es fehlt selbst das nötige Geld für die Sterbewäsche. Sein Leben hat er seinem Gönner und diesem Satz gewidmet, ohne etwas damit anzufangen, sich der Verzweiflugn und der Hoffnugn hingegeben, Weltschmerz verspürt, ohne das Tragikomische seiner Existenz zu verkennen. So stellt ihn der Autor Arnodl Stadler dar, der im gewohnten Stil anschaulich das Schicksal dieses "Verlierers" zeichnet. Hin- und herschwankend zwischen erschütternder Einsicht und lebendiger Komik führt Engelbert sein Leben, sich und die Welt beobachtend gibt er ein facettenreiches Porträt unserer Gegenwart, ein Gegenwartsroman freilich, der nur nebenbei in feiner Satire die diversen Peinlichkeiten und Selbstverständlichkeiten unserer Zeit entlarvt. Trotz des seltsamen Lebensschicksals des Helden, kann man auch hier wie in den anderen Büchern Stadlers sich selbst finden oder vielleicht auch seinen nächsten Nachbarn. So wie Stadlers Figuren auch in der Realität hätten existieren können, so entdeckt man einzelne Eigenheiten wohl in der Anwendung auf das eigene Umfeld. Und das macht auch dieses Buch aus, die Sympathie des Autors mit dem kleinen Mann, der so gar nicht in die Leistungsgesellschaft oder wie immer man das nennen will, paßt, dem wir aber näher sind, als wir uns selbst gerne eingestehen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
War diese Rezension für Sie hilfreich?
3 von 3 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Das macht Arnold Stadler so leicht niemand nach: die vermeintlich erzählerische Heiter -und -leichtigkeit sprudelnder Ereignisse aus dem Leben eines Hoffnungsträgers und lebenslangen Anwärters auf ein Erbe. Nein, nichts Großes. Materiell gesehen geht es lediglich um eine schmale, bescheidende Lebensabsicherung. Dennoch verhält sich Engelbert Hotz, der Hauptprotagonist und halbbildungsversessene Philosoph, zunächst so, als würde er auf nichts, als die Hinterlassenschaft seines Mentors schielen. Doch nichts schimmert in dieser vermeintlichen Groteske zum Ende so deutlich hervor, wie der Titel des letzten Kapitels: die alte Einsamkeit.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Schießbudenfiguren 21. Juli 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Wenn jemand verzweifelt-zynischen Humor liebt, der mit allem und jedem spielt und seinen Schabernack treibt, der ist bei Arnold Stadler an der richtigen Adresse. Sein „Held" Engelbert Hotz, eine gescheiterte Existenz, fristet sein Leben in der Hoffnung auf eine Erbschaft, die ihm von seinem Onkel versprochen ist, ein Mann von Welt, der sich mit der Bekanntschaft zu illustren Personen schmückt, in Wahrheit aber zu keinem eine Beziehung aufzubauen in der Lage ist, während er sein Vermögen nach allen Regeln der Kunst verjubelt, um seine mickrige Existenz zu sichern. Der Lebenskünstler Engelbert hat alle Hände voll zu tun, im Schatten dieses Bankrotteurs, zumindest das Notwendigste für seinen Lebensunterhalt beiseite zu schaffen, nicht ohne am Schluß damit neuerlich auf die gutmütige Hochstapelei hereinzufallen, da sich auch die vielen Kostbarkeiten des Onkels als billigste Nachahmungen entpuppen. So beschließt Engelbert, sein Leben in Worte zu fassen, die Geschichte seines Onkels mit der seinen zu verknüpfen und darzustellen, um wenigstens auf diese Weise noch Gewinn aus seinen Erfahrungen zu ziehen. Aber auch damit kann er seinem Schicksal nicht entfliehen, er ist nur eine Schießbudenfigur, die immer wieder zum Verschwinden neigt, in seiner Kümmernis aber einer auf Äußerlichkeiten fixierten Welt auf satirische Weise den Spiegel vorhält. Stadler gelingt es mit seinem Buch in sympathisch salopper Sprache, mit vielen Assoziationen gespickt, mit viel sarkastischem Humor gewürzt, eine interessante und immer lebendige Geschichte zu erzählen, auch wenn sie vom Tod handelt, denn darauf sind die beiden geschilderten kümmerlichen Existenzen, die beiden Schießbudenfiguren ausgerichtet. Stadler zu lesen ist ein Gewinn, nicht zuletzt nachdem er vor kurzem den Georg-Büchner-Preis zuerkannt bekam, eine der gewichtigsten Auszeichnungen für deutschsprachige Literaten. Stadler lohnt! (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)
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