Der Tod Georgs von Richard Beer-Hofmann ist ein Kurzroman der auf sehr interessante und lesenswerte Weise viele Merkmale des Jugendstils und des Ästhetizismus vereint. Richard Beer-Hofmann, einer der "modernen Wiener Todesdichter", beschreibt hier jedoch nicht das Sterben Georgs, sondern evoziert eine ausgeprägte Todesmotivik in verschiedenen Formen. Besonders in den Träumen des Protagonisten Paul erscheint der Tod teilweise ästhetisiert, teilweise kalt und unausweichlich. Doch interssant und voller schriftstellerischer Eleganz ist auch der scheinbare Widerspruch zwischen Todesästhetik und Vitalismus, der gegen Ende des Buches hervortritt. Der Dekadenz, die man in der Verherrlichung des Nicht-Lebensfähigen, des jungen Sterbens zu erkennen glaubt, wird eine starke Aufbruchsstimmung, ein Lebenskult entgegengesetzt. Paul, der egozentrische Schöngeist, ist Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er lebt in sein Innerstes zurückgezogen und sieht die Realität nur als Baustein zu seinem künstlichen Seelenreich an. Getreu dem Ideal des Ästhetizismus versucht er eine eigene, sinnvolle Welt in die reale, sinnentleerte Welt einzusetzen. Doch seine eigentliche Beziehungslosigkeit zu seiner Umwelt wird an vielen Stellen des Romans deutlich. Einflüsse der bildenden Kunst des Jugendstils kommen hier ebenfalls zum tragen: Indem Paul Dinge und Menschen in sein Bewusstsein aufnimmt, objektiviert er sie gleichsam und degradiert sie zu Objekten seiner Wahrnehmung. Analog zur eindimensionalen Ornamentik des Jugendstils (wie etwa bei Alphons Mucha) verlieren auch Pauls Mitmenschen ihre Dreidimensionalität und werden zur reinen Projektionsfläche. Selbst wenn Paul und seine Geschichte nicht für jeden Leser Identifikationspotential bieten, so schafft es Beer-Hofmann doch, die Tiefen der menschlichen Psyche hervorzuheben, und dabei sehr lesenswert zu machen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)