Lippe und Nase, zwei dicke Freunde, entdecken in der Kanalisation einen Tiger - und, dass in ihm eine vermisste alte Dame steckt. Das ist die originelle Exposition, die Kilian Leypold seinem "Tiger unter der Stadt" zugrunde legt.
Von der ersten Begegnung bis zur finalen Befreiung arbeitet Leypold dieses Großstadtmärchen sauber ab - vor allem gefallen mir die sinnliche, facettenreiche Sprache, die nie abhebt, und die genaue Schilderung von Milieus, Figuren und Umständen.
Allerdings ist das Buch vielleicht einen Tick zu lang, manchmal kommt die Kloake dem Leser einen Tick zu nahe, und ich hätte mir einen Schluss gewünscht, der nicht ganz so - im Wortsinn - sagenhaft ausfällt.
Trotzdem: Kompliment für diese fantasievolle Geschichte, mit der der Autor eine erste deutliche, Verzeihung, Duftnote setzt.