Mit dieser DVD-Veröffentlichung ist es gelungen, ein nahezu vergessenes Juwel der deutschen Fernsehgeschichte wieder zu beleben und es Interessierten in durchweg guter Bild- und Tonqualität endlich zugänglich zu machen. Das ZDF zeigte den Thronfolger" nur zweimal: In der Erstsendung 1980 und 1986 zum 200.Todestag Friedrich des Großen. Doch diese Produktion wäre es wert gewesen, mehrfach ausgestrahlt zu werden. Sie beschäftigt sich immerhin mit einer nicht unwesentlichen Episode aus der deutschen Geschichte: Den schweren Jugendjahren Friedrichs II. (1712-1786), die nicht nur den späteren preußischen Monarchen in seinem Wesen, sondern wohl auch seine Regierungszeit nachhaltig prägten.
Das berühmte Drama zwischen dem spartanischen agierenden und überstrengen Vater, König Friedrich Wilhelm I., dem "Soldatenkönig" - eine Rolle, die Günter Strack ("Diese Drombuschs", "Der Winter, der ein Sommer war", "Die unfreiwilligen Reisen des Moritz August Benjowski") buchstäblich auf den Leib geschneidert war - und dem scheinbar eher schwächlichen und schöngeistigem Sohn, Kronprinz Friedrich, dem späteren "Alten Fritz" - einfühlsam verkörpert von Jan Kollwitz - lebt in der eher ruhigen Inszenierungsweise des Regisseurs Oswald Döpke von Beginn an nicht durch billige Effekte oder lautmalerischer Szenenmusik sondern ausschließlich von den erzählten Geschehnissen, die sich in der filmischen Darstellung erstaunlich eng an den historischen Fakten orientieren. Döpkes Regiearbeit unterscheidet sich in diesem Punkt angenehm von dem alten Tonfilmklassiker "Der alte und der junge König" mit Emil Jannings und Werner Hinz, der bereits im Jahr 1935 den "Kronprinzenkonflikt" für das deutsche Kino aufbereitete, aber dabei sehr stark eine "Hart aber gerecht"-Dramaturgie aufwies. Deutlich zu erkennen ist auch, dass bei diesem bemerkenswerten TV-Spiel ein weiterer Profi des deutschen Fernsehens die inhaltlichen Fäden zog: Helmut Pigge. Der vielfach als Produzent und Autor im Fernsehen tätig gewesene Historiker ("Wallenstein", "Die merkwürdige Lebensgeschichte des Friedrich Freiherrn von der Trenck") hatte auch bei dieser Produktion eine glückliche Hand und verstand es, ein Kapitel der preußischen Geschichte anspruchsvoll zu skizzieren, ohne dabei eine Art von sprödem Geschichtsunterricht entstehen zu lassen, der lediglich die Abfolge der Ereignisse in farbigen Fernsehbildern chronologisch abspult.
Auch dreißig Jahre nach seiner Entstehung ist "Der Thronfolger" überaus sehenswert. Mehr noch: Dieses Fernsehspiel zeigt deutlich, was Fernsehen von einst geleistet hat. Zwar im öffentlich-rechtlichen Auftrag entstanden, aber nicht nur als ein Beleg für den Bildungsauftrag der Anstalt. Ist der Zuschauer erst ein paar Minuten in die Handlung hineingekommen, bleibt er dabei. Der visuelle Zeitsprung ins Preußen des frühen 18. Jahrhunderts fasziniert wie eine modern erzählte Geschichte um ein menschliches Drama vor dem Hintergrund einer eisernen Staatsräson. Zweifellos ist das auch ein Verdienst der hochkarätigen Besetzung des als Zweiteiler konzipierten Historienstücks: Maria Schell, Jan Niklas (in der tragische Rolle des Hans Hermann von Katte, der seine Freundschaft zum Kronprinzen mit dem Leben bezahlen musste), Dietlinde Turban, Siegfried Wischnewski, Alf Marholm oder Peter Pasetti zeigen sich ausnahmslos auch im historischen Kostüm souverän und äußerst glaubhaft - und ermöglichen auch heute noch einen großen Fernseh(juwel)genuss per Doppel-DVD.