Satre wagt mit "Der Teufel und der liebe Gott" einen Spagat zwischen zwei grundsätzlich nur schwer zu vereinenden Genres: Dem philosophischen Diskurs und den modernen Bühnen- und Unterhaltungsstücken. Wie er dabei vorgeht ist methodisch überaus bemerkenswert, gerade da er trotz der Komplexität des eigenen philosophischen Hintergrundes eine bemerkenswert eindringliche Geschichte zu erzählen vermag.
Im Mittelpunkt des Stückes steht stets die Beziehung zwischen Mensch und Gott, deren verschiedene Formen der Protagonist des Stückes, Götz, durchleben muss. Zunächst fordert er Gott heraus, beschließt dann sich ganz und gar Gott zu verschreiben und zieht sich letztlich in die Einsamkeit zurück, um sich in dessen Namen selbst zu bestrafen. Egal was er jedoch tut, die Ergebnisse seines Handelns fallen immer gleich katastrophal aus: Einmal metzelt er die Armen als Feldherr grausam nieder, ein anderes Mal macht die von ihm propagierte Gewaltlosigkeit seine Anhänger zu willfährigen Schlachttieren und selbst die Zerstörung seines eigenen Körpers verhindert nicht die verheerende Niederlage der Bauern gegen die Heere der Adeligen.
Zentral steht Götz also vor der Frage durch welches Verhalten gegenüber Gott er das Richtige und Gute erreichen kann. Dieser erkennt nun nur zögernd, dass Gott den Menschen genauso zerstört der Teufel. So gelangt er schließlich zu der viel grundsätzlicheren Frage, ob Gott überhaupt existiert und entscheidet sich gegen ihn sowie für den Menschen. So stellt er sich am Ende des Stückes auf die Seite des "menschlich Richtigen", wobei er akzeptiert, dass dieses sowohl Gewalt wie Friedfertigkeit erfordern kann.
Diese grundsätzliche Handlung bietet nun auch den Rahmen für die individuell ganz unterschiedlich Auseinandersetzung mit der Kirche, Gott, den Menschen, dem Guten und dem Schlechten, welche Satre gekonnt in den sehr detailliert ausgestalteten Nebencharakteren entwickelt. Zu versuchen diese auch nur in gröbsten Zügen nachzuzeichnen, würde an dieser Stelle wohl den Rahmen der Rezension sprengen wie dem Werk als solches nicht gerecht werden.
Wie bei kaum einen anderen Stück der Moderne gilt hier nämlicht, dass man es selber lesen und durchdenken muss, um das Gedankengespinst aus Erzählkunst und philosophischen Weltbild würdig zu erfassen.
Sicherlich ist "Der Teufel und der liebe Gott" also eines jener wenigen Bücher, von dem kein Leser wirklich enttäuscht seien dürfte: Die Sprache ist eingängig und durchweg verständlich, die Handlung so kurzweilig und tiefschürfend, dass keine Langeweile aufkommt, und die hier verkaufte Edition des Buches obendrein mehr als solide aufgemacht.