"Wild treiben es die Aboriginals". Diesen Eindruck hatte ich nach den ersten Kapiteln von "Der Teufel geht auf die Jagd". Hauptdarsteller Ernie Holden wird als rauher Geselle charakterisiert, dessen Lebensinhalt aus Saufen, Prügeleien und Gelegenheitsjobs zu bestehen scheint. Ursache: Verlust ursprünglicher Kultur und Identität, ähnlich der Situation mancher Indianerstämme Nordamerikas.
Die Situation spitzt sich zu, als Ernie Holden ins Gefängnis muß. Die lange Phase ohne Alkohol führt dazu, dass er klar im Kopf wird und anfängt, über sein Leben nachzudenken. Der Wille zur Änderung erzeugt erhebliche innere und äußere Widerstände und ist mit vielen Rückfällen verbunden. Ein Problem nicht nur der Aboriginals.
Den Kampf mit dem Teufel kann nur eine starke Persönlichkeit gewinnen. Autor Simpfendörfer beschreibt die Situation so, wie sie von Ernie Holden erlebt wurde. Deutlich wird: Bruchstücke der ehemaligen Kultur beeinflussen auch heute das Leben der Ureinwohner und dienen als Erklärung für manch eine aus westlicher Sicht nicht nachvollziehbare Handlung.
Es handelt sich nicht um eine erfundene Geschichte, sondern um eine Biografie, die Tove Simpfendörfer in Australien recherchiert hat. Im Nachwort beschreibt er die Hintergründe für die Story. Es zeichnet gute Autoren aus, dass sie sich längere Zeit mit der Materie beschäftigen, über die sie schreiben. In diesem Sinne kann ich "Der Teufel geht auf die Jagd" nur empfehlen und hoffe auf weitere wertvolle Bücher von diesem Autor.