Die vorliegende Geschichte des Schweizer Drehbuchautors und Schriftstellers Charles Lewinsky
wurde bereits 1997 beim Haffmans Verlag veröffentlicht. Allerdings konnte man in den letzten Jahren nur noch antiquarische Exemplare erwerben. Es ist also äußerst erfreulich, dass Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag, München, eine Neuauflage gestartet haben. Zumal, da es sich um eine sehr liebevoll gestaltete Neuauflage handelt. Auf dem Titelbild: der nächtliche Himmel über Rom mit dem Teufel am Lenkrad und dem Papst daneben. Die Innenseite und das erste Blatt sind knallrot. Danach geht es auf weißem Hintergrund weiter. Der Text selber ist puristisch in einer gut lesbaren Schrift.
Dem Herrn im Himmel ist wieder einmal langweilig und so hat er eine Wette mit dem Teufel abgeschlossen. Zielobjekt ist in diesem Jahr kein Geringerer als sein oberster Stellvertreter auf Erden: der Papst persönlich. Dieser hat eben noch unter den Nachwirkungen von Schwester Innocentias Dresdner Christpanettone gelitten, sein Schlaf war reichlich unruhig, als er unangemeldet den teuflischen Besuch erhält.
Nun muss man wissen, der Teufel von heute ist nicht mehr so leicht erkennbar. Er versteckt sich in der Uniform eines Versicherungsvertreters, selbstverständlich mit Aktenköfferchen. Allerdings hat sein Dienstfahrzeug - ein roter Ferrari - elf Gänge. Schließlich steht der Teufel nicht im Stau auf Erden, sondern rast durch den Luftraum und darüber hinaus.
Zunächst belehrt der unerwartete Besucher den Papst über die wirtschaftliche Lage seines Unternehmens. Um die Finanzen der Kirche ist es nicht zum Besten bestellt. Jedes Unternehmen der freien Marktwirtschaft hätte schon längst über Personalmaßnahmen nachgedacht. Damit die Kirche die Krise übersteht, erläutert der teuflische Unternehmensberater erst einmal die Vorteile einer Fusion: "Einen Partner mit ähnlicher Produktpalette suchen und dann die Synergien nutzen. Die Mitarbeiterzahl verkleinern und unnötige Produktionsstätten abstoßen." Mit Produktionsstätten sind die unzähligen Orte gemeint, wo katholische und evangelische Kirchen Seite an Seite stehen trotz unbefriedigender Auslastung. Den freiwerdenden Immobilienbestand als Disco oder Supermarkt zu verleasen, erscheint dem Obersten Hirten dann allerdings nicht als bedenkenswerte Lösung der Finanzkrise.
Es ist wohl doch nicht so einfach, den Papst zu überrumpeln. Nun gut, der Teufel lässt sich nicht lumpen, und nimmt den Widerspenstigen mit auf eine nächtliche Spritztour. Während diesem Ausflug durch Zeit und Raum macht er ihn mit den modernsten Möglichkeiten der Geldbeschaffung vertraut. Es sind originelle Ideen darunter, die den Leser durchaus an das reale Leben erinnern. Jedoch, der Oberste Hirte will und will einfach nicht zustimmen, so dass unser teuflischer Tausendsassa sein letztes As aus dem Ärmel ziehen muss. Schließlich ist er auch Boss einer Werbeagentur und als solcher ein begnadeter Geschichtenerzähler (modern ausgedrückt: Storytelling). Zudem hat er die besten Leute. Alle Werber landen bei ihm in der Hölle, wie er stolz berichtet. Diese seine Werbe-Asse haben sich gewaltig ins Zeug gelegt - besser gesagt: sie haben alle Register gezogen - um den Papst zu verführen, und die Kirche als account zu gewinnen. Wie das wohl ausgeht?
Mein Fazit:
Kein Weihnachtskitsch, kein Weihnachtsmärchen für Kinder, sondern eine moderne Weihnachtserzählung mit zahlreichen Bezügen zum realen Wirtschaftsleben. Erfrischend in der Wortwahl und mit überraschenden Wendungen. Ich bin begeistert. Die sechzig Seiten sind viel zu schnell vorbei.
Ein teuflisches Vergnügen!