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Der Terror der Ökonomie
 
 
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Der Terror der Ökonomie [Gebundene Ausgabe]

Viviane Forrester , Tobias Scheffel
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 216 Seiten
  • Verlag: Paul Zsolnay Verlag Ges. m.b.H.; Auflage: 8 (4. August 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3552048499
  • ISBN-13: 978-3552048492
  • Größe und/oder Gewicht: 21,3 x 13,4 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (16 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 518.723 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Viviane Forrester, geboren 1927 in Paris, lebt als Schriftstellerin, Essayistin und Literaturkritikerin in Paris. Eigentlich liegt das ökonomische Thema, das sie sich in ihrem neuen Buch vorgenommen hat, gar nicht unmittelbar in ihrem Zuständigkeitsbereich. Doch wer kann angesichts der permanent steigenden Arbeitlosenzahlen vor diesem Problem die Augen verschließen?

Viviane Forrester hat hierzu eine Streitschrift verfaßt, die die Ursachen und Fakten in aller Deutlichkeit beim Namen nennt und als Schriftstellerin kann sie dies um vieles verständlicher ausdrücken als die Spezialisten der volkswirtschaftlichen Disziplin. Es sind keine neuen Erkenntnisse, die sie formuliert, doch sie sagt zum ersten Mal klar und deutlich, daß angesichts steigender Arbeitlosenzahlen und steigender Unternehmensgewinne verschiedene Dinge in unserem von allen Seiten verteidigten Wirtschaftssystem nicht in Ordnung sein können.

Sie geht den einfachen, aber nicht weniger spannenden Fragen nach: Welchen Nutzen kann ein Leben haben, das nutzlos für den Profit ist? Muß man leben "verdienen", um das Recht zu leben zu haben?

Leider kann auch die Autorin keine Patentrezepte zur Lösung dieser Fragen anbieten, doch ihr radikal formulierter Denkansatz bietet jede Menge Diskussionsstoff. --Manuela Haselberger -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Neue Zürcher Zeitung

Ärgernis Globalisierung

Kristallisationspunkte des Unbehagens

Auf dem Büchermarkt wenden sich zahlreiche Publikationen an Leser, die beunruhigt sind wegen der Auswirkungen der Globalisierung auf die Gesellschaft. An einigen Beispielen sollen im folgenden die Hauptargumente in der Situationsanalyse und die Vorschläge an die Politik miteinander verglichen werden.

Sorge um die Arbeitsplätze

Die bei weitem auflagenstärkste Publikation, «Die Globalisierungsfalle» der beiden «Spiegel»-Journalisten Hans-Peter Martin und Harald Schumann, beginnt mit der Schilderung eines Schockerlebnisses. Die beiden hatten 1995 in San Francisco an einem Prominentengipfel zur Zukunft der Menschheit im 21. Jahrhundert teilgenommen und waren mit dem Eindruck nach Hause zurückgekehrt, dass künftig nur noch ein Fünftel der verfügbaren Arbeitskraft benötigt werde. Die Produktivitätssteigerung pro Arbeitskraft werde, so nehmen sie an, in der Industrie und im Dienstleistungssektor die gleichen Folgen haben wie in der Landwirtschaft. In Deutschland beunruhigt sie neben der Wegrationalisierung von Arbeitsplätzen deren Auslagerung in Billiglohnländer. Wir erlebten eine Revolution der Arbeitswelt, seien unterwegs zu einer 20:80-Gesellschaft.

Der Soziologe Ulrich Beck, bekannt geworden mit seiner «Risikogesellschaft», sieht alle nachindustriellen Länder auf dem Weg in einen Kapitalismus ohne Erwerbsarbeit. Er konstatiert eine skandalöse Massenarbeitslosigkeit: «Transnationale Unternehmen überbieten sich mit Rekordgewinnen – und dem massenhaften Abbau von Arbeitsplätzen.» Wenn Arbeit durch Wissen und Kapital ersetzt werde, so verlören die Arbeitskraft und die sie vertretenden Organisationen an Verhandlungsmacht und gesellschaftlichem Einfluss.

Dieser Gedanke zieht sich als roter Faden durch das in mehr als ein Dutzend Fremdsprachen, einschliesslich Japanisch und Koreanisch, übersetzte Buch der französischen Publizistin Viviane Forrester. Es ist ein einziger sarkastischer Protest gegen eine angebliche neue Verelendung der Massen als Folge der Ausgrenzung aus der Arbeitswelt und gegen die Verlogenheit jener, die dies als vorübergehendes Phänomen abzutun versuchten. Sie will weder die Globalisierung stoppen noch die Marktwirtschaft abschaffen. Ihr geht es um die Zukunft des arbeitenden Menschen. Dieser erscheint in ihrer Optik als Opfer der unerbittlichen Logik, die heute durch Automatisierung und die globalen Finanzmärkte bestimmt wird. Die Spaltung der Gesellschaft in eine grosse Mehrheit, die in einem nicht definierten Elend leben muss, und eine kleine privilegierte Minderheit wird im mechanistischen Gesellschaftsverständnis der Verfasserin zum kollektiven Schicksal, vor dem es kein Entrinnen gibt. Das einzige, was aus dieser Sicht möglich bleibt, ist bewusstes und kritisches Wahrnehmen.

Anpassung oder Armut?

Ungleich moderater, mit einer Zuversicht, die auch Zweckoptimismus zur Aufmunterung seiner Landsleute sein mag, äussert sich der deutsche Sozialdemokrat Klaus von Dohnanyi. Nach einer langen politischen Karriere – er war unter anderem Staatssekretär unter Karl Schiller, Bundesminister für Wissenschaft und Forschung sowie Staatsminister im Auswärtigen Amt – neigt er zu einer pragmatischen Haltung. Zwar beunruhigen auch ihn gefährliche Auswirkungen der Globalisierung auf Gesellschaft und Umwelt, aber er hält die Probleme für lösbar, sofern man nicht in rückwärts gewandtem Pessimismus verharrt, die der Natur des Menschen entsprechenden Gesetze des Marktes begreift und geschickt damit umzugehen versteht.

Soweit sie sich zur Arbeitsplatzproblematik äussern, sind alle Autoren mehr oder weniger skeptisch gegenüber dem amerikanischen «Jobwunder». In den USA und in Grossbritannien bilden nach Beck jene, die in der Grauzone zwischen Arbeit und Nichtarbeit leben, längst die Mehrheit. Es gibt dort eine neue Schicht der «working poor», die laut Forrester deshalb rasch wächst, weil geringe soziale Unterstützungen arbeitslos gewordene Amerikaner rasch zur Annahme auch schlecht bezahlter Arbeit zwingen. In diesem Zusammenhang schreiben Martin und Schumann, in den USA verdienten vier Fünftel der männlichen Angestellten und Arbeiter pro Arbeitsstunde real elf Prozent weniger als 1973. Analoge Hinweise finden sich im Bericht der Gruppe von Lissabon, deren Spiritus rector der Ökonom Riccardo Petrella ist, Professor an der belgischen Universität Louvain und ehemaliger Direktor des Programms «Forecasting and Assessment in Science and Technology» der Europäischen Kommission. Laut diesem Bericht beruht der Sozialabbau auf der Überzeugung, «dass es um so besser um die Wettbewerbsfähigkeit und den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit steht, je stärker die Lohnkosten und die damit verbundenen Sozialabgaben gesenkt werden». – Dohnanyi bezeichnet das Entstehen einer Schicht von «working poor» als unvereinbar mit seinen Vorstellungen von einer sozialen Demokratie. Er ist zuversichtlich, dass sich das Arbeitslosenproblem entschärfen lässt. Einen entscheidenden Beitrag dazu sieht er darin, «dass wir die einfachen Tätigkeiten wieder bezahlbar und dies zugleich sozial vertretbar machen».

Kritik am absoluten Wettbewerbsdenken

Die Mitglieder der Gruppe von Lissabon bekennen sich als überzeugte Befürworter liberaler Ordnungspolitik, wenden sich indessen gegen deren Entwicklung zu einer aggressiven Ideologie, «die alle anderen Formen der Organisation des wirtschaftlichen, politischen und sozialen Lebens ausschliesst». Ihren Verfechtern werfen sie «sektiererischen Fundamentalismus» vor, womit die gesamte conditio humana auf Einstellungen und Verhaltensnormen des «homo oeconomicus» als «homo competens» reduziert werde. «Für sie haben Erkenntnisse, Überzeugungen und Verhaltensweisen keinen Wert, sofern sie nicht der Wettbewerbsfähigkeit untergeordnet und von ihr legitimiert werden.» Beck wettert gegen das neoliberale Denkvirus des «Globalismus», der alle und alles, Politik, Wissenschaft und Kultur, dem Primat des Ökonomischen unterwerfen wolle. «Darin ähnelt der neoliberale Globalismus seinem Erzfeind: dem Marxismus.»

Schwächung der nationalen Demokratie?

Die Wirtschaft globalisiert sich, während die Rahmenbedingungen noch weitgehend auf nationaler Gesetzgebung beruhen. Das hat, wie die meisten Autoren mehr oder weniger stark hervorheben, zur Folge, dass namentlich transnationale Gesellschaften (wovon es laut Martin und Schumann über 40 000 gibt) zunehmend frei sind, ihre Produktionsstandorte, ihre Märkte und ihre Steuerdomizile nach betriebswirtschaftlichen Kriterien auszuwählen – nach Kriterien somit, die zunehmend von der verschärften weltweiten Konkurrenz geprägt sind. Der Nationalstaat wird laut Martin und Schumann vom globalen Markt aus den Angeln gehoben. Auch Dohnanyi konstatiert, mit den nationalen marktbegrenzenden Systemen seien wichtige Elemente der sozialen und ökologischen Produktivität des bisherigen Ordnungssystems stumpf geworden. Diese Entwicklung scheint ihm gefährlich: «Ungezügelt würde der Markt zum Monster.»

Während wirtschaftliche Akteure transnational denken und handeln, müssten – so ein Haupteinwand Becks – die Nationalstaaten die Folgen verkraften und mit einem wachsenden Steuertourismus rechnen, der dem Fiskus Milliardenverluste verursacht. Für sie sei der Steuerschwund eine «Krankheit zum Tode». Die Gruppe von Lissabon befürchtet, dass die Regierungen der Nationalstaaten ins Schlepptau der «global players» geraten, die den Gesetzen des naturgemäss kurzsichtigen Marktes unterliegen. Sie seien versucht, im Interesse der nationalen Wirtschaft fragwürdige, demokratisch nicht mehr legitimierte Konzessionen zu machen. Noch radikaler äussern sich Martin und Schumann: «Wenn Regierungen in allen existentiellen Zukunftsfragen nur noch auf die übermächtigen Sachzwänge der transnationalen Ökonomie verweisen, verliert der demokratische Staat seine Legitimation.»

Den Primat der Politik zurückgewinnen

Ausser Forrester, die keinen Ausweg sieht, halten es alle Autoren nicht nur für notwendig, sondern auch für möglich, etwas gegen die unerwünschten Wirkungen der Globalisierung zu unternehmen. Beck hofft auf ein Europa, das imstande wäre, den Primat der Politik über die Wirtschaft wieder herzustellen. «Was Europa sein soll, ist im Blick auf die Zukunft politisch zu beantworten – in allen Themenfeldern: Arbeitsmarkt, Sozialstaat, internationale Migration, politische Freiheiten, Grundrechte.» Ein transnationales Staatengebilde in der Grösse der EU wäre in der Lage, die demokratisch kontrollierte gesellschafts- und wirtschaftspolitische Handlungsfähigkeit für kooperierende Staaten wiederherstellen. «Eine starke, demokratische EU könnte ihr Gewicht als grösste Handelsmacht der Welt für wirkliche Reformen einsetzen.»

Auch Martin und Schumann stellen an die Spitze ihres Massnahmenkatalogs die Vision einer demokratisch legitimierten und handlungsfähigen Europäischen Union. Durch den Euro bekäme sie genügend Potenz, um auf Trockenlegung der Steueroasen zu drängen. Deshalb sollte in dieser Sicht die EU-Kompetenz auf die Besteuerung ausgedehnt werden mit dem Ziel, eine europaweit wirksame ökologische Steuerreform durchzuführen mit einer Luxussteuer und einer Umsatzsteuer auf dem Devisenhandel, einer sogenannten Tobin-Tax. Die Gruppe von Lissabon wünscht sich einen starken Staat, auch wenn dieser in einem globalisierten Umfeld nicht mehr als führende Kraft handeln kann. Seine Rolle bestehe heute darin, dafür zu sorgen, dass seine eigenen strategischen Schlüsselakteure die Globalisierung der eigenen «nationalen» Wirtschaft erfolgreich durchführen können – ein Postulat, das freilich in einem gewissen Widerspruch steht zur erwähnten Angst, dass der Nationalstaat in das Schlepptau der Multis geraten könnte.

Zukunft der sozialen Marktwirtschaft

Für Dohnanyi sind die Vorstellungen von einer internationalen Marktordnung oder einer «sozialen Gegenmacht Europa» eine Illusion. Insbesondere sieht er keine Chance, die hohen deutschen sozialen Standards europaweit durchzusetzen, und Koordination der Wirtschaftspolitik ist für ihn eine Leerformel. Die Idee internationaler Vereinbarungen über soziale Mindeststandards im Wettbewerb erinnert ihn an Denkmuster des Sozialismus. Dohnanyi setzt für Deutschland (und damit indirekt auch für die Schweiz, deren wirtschafts- und sozialpolitische Lage er als sehr ähnlich beurteilt) auf die Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft – des «deutschen Modells», wie er sie nennt. Es gehe darum, dass die Marktwirtschaft in einer neuen Situation neue Antworten des Gleichgewichts zwischen sozialer Verantwortung und Wettbewerb finde und so den Sozialabbau vermeide. Zu einer möglichst sozialverträglichen Neuorientierung beitragen könnten etwa die differenzierte Arbeitszeitverkürzung ohne Lohnausgleich oder die Beteiligung der Arbeitnehmer an gewinnsteigernden Massnahmen. Dem Staat weist Dohnanyi die Aufgabe zu, die Gesellschaft dezentral für mehr Eigenverantwortung zu organisieren, in der Hoffnung, dass sie wieder reaktionsfähiger wird. In Deutschland ginge es konkret um eine Neugestaltung des Föderalismus, um die Beseitigung übermässiger Entscheidungsverflechtung, die dem optimalen Funktionieren der dezentralen Verantwortung, des «Schlüssels zum Überleben», im Wege stehe.

Aus einem anderen Blickwinkel beurteilt Beck das «deutsche Modell». Für ihn war der «sozial abgepufferte Kapitalismus» die erkämpfte Antwort auf die Erfahrung des Nationalsozialismus und die Herausforderung des Kommunismus. Nun erscheint das historische Bündnis zwischen Kapitalismus, Sozialstaat und Demokratie gefährdet. Auf der gleichen Linie argumentieren die Verfasser der «Globalisierungsfalle»: «Befreit von der Drohung der Diktatur des Proletariats, wird seither um so härter an der Errichtung der Diktatur des Weltmarktes gearbeitet. Plötzlich erscheint die massenhafte Teilnahme der Arbeitnehmer an der allgemeinen Wertschöpfung nur als ein Zugeständnis im kalten Krieg, das der kommunistischen Agitation die Basis entziehen sollte.»

Zivilgesellschaft als Machtfaktor?

Nach Beck gibt es heute neben der Welt der Staaten eine Welt transnationaler Subpolitik, in der sich die unterschiedlichsten Akteure tummeln, neben transnationalen Organisationen wie der katholischen Kirche oder der Weltbank auch die multinationalen Konzerne, die Mafia und die neue Internationale der Nichtregierungsorganisationen (NGO). Auf dieser transnationalen Aktionsebene ortet die Gruppe von Lissabon eine «rapide wachsende Zivilgesellschaft», eine «komplizierte Galaxie, die sich aus Tausenden organisierter Gruppen zusammensetzt». Ihr wird grosse Bedeutung beigemessen in der Erwartung, dass sie die globalen Bedürfnisse, Wünsche und Ziele mitgestalten könnte und die «globale Nachfrage nach Sozialem» in Worte zu fassen vermöchte. Damit würde sie «zur Sprecherin der Weltbevölkerung für Fragen der menschlichen Entwicklung, Freiheit, Gleichheit, Frieden, Solidarität und Gerechtigkeit», angeführt von einer neuen Elite, die in diesem Prozess eine wichtige Rolle zu übernehmen hätte. Auf diesem gedanklichen Fundament wird der Abschluss von vier neuen Sozialverträgen gefordert, wozu Europa, Nordamerika und Japan die Initiative zu ergreifen hätten. Anvisiert sind ein «Grundbedürfnisvertrag» zur Beseitigung von Ungleichheiten, ein Kulturvertrag zur Förderung der Toleranz und des interkulturellen Dialogs, ein Demokratievertrag zur kooperativen globalen Steuerung und schliesslich ein Erdvertrag mit Blick auf den Übergang zur nachhaltigen Entwicklung.

Walter Schiesser -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.


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Kundenrezensionen

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4 von 4 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Aufrüttelnd und visionär! 13. Dezember 2009
Format:Taschenbuch|Von Amazon bestätigter Kauf
Auch wenn sich die Autorin gelegentlich wiederholt und Manches sicher überspitzt dargestellt wird, bleibt die Kernbotschaft des Buches doch elementar:
Globalisierung und Raff-Mentalität haben dazu geführt, dass die Macht immer mehr in den Händen weniger großer (weltweit operierender) Konzerne liegt. Mit der Folge, dass alles, was dem Profitdenken der verantwortlichen Konzern-Manager widerspricht, gnadenlos eliminiert, unterdrückt und ausgebeudet wird. Der menschliche Faktor (insbesondere unter dem Aspekt des Rechtes auf Arbeit) bleibt in Zeiten, in denen der Faktor Arbeit immer häufiger zu Gunsten undurchsichtiger Finanztransaktionen (sogenannte Derivate, die zumeist keinen Bezug mehr zur Realität haben) entwertet wird, fast zwangsläufig auf der Strecke. Dadurch werden ganze Bevölkerungsschichten (Arbeitslose, die z.B. in Vorstadtgettos zusammengepfercht werden und keine reale Chance haben ins "normale" menschliche Leben integriert zu werden), Länder und Kontinente von einem Mechanismus ausgegrenzt, der einzig einem völlig irrealen und menschenverachtenden Wachstumsanspruch verpflichtet zu sein scheint. Betrachtet man die Einzelschicksale die mit einem solchen System in aller Regel verbunden sind und welche Folgen damit auf Dauer verbunden sind, muss man in der Tat zu dem Schluß kommen, dass die Menschheit auf einen Katastrophe von enormem Ausmaß zusteuern, ohne dass die Mehrzahl der Betroffenen bis jetzt Kenntnis davon genommen hat, weil sie (u.a. von verantwortlichen Politikern) bewusst verdummt und in einen Zustand gefügiger Lethargie versetzt werden. Das Buch beschreibt übrigens exakt die Mechanismen die zur globalen Finanzkrise geführt haben (ohne das freilich die richtigen Konsequenzen gezogen worden wären) und ist insofern als visionär zu bezeichnen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Hochaktuelle Analyse 16. September 2008
Format:Gebundene Ausgabe
"Wir leben im Zeitalter des Liberalismus, der sein Denksystem durchsetzen konnte, ohne es je wirklich formulieren, als Doktrin erarbeiten zu müssen (...). Er schafft damit ein autoritäres, im Grunde totalitäres System, das sich im Augenblick jedoch noch in der Demokratie versteckt hält. (...). Er ist noch darauf bedacht, (...) kein Aufsehen zu erregen. Wir befinden uns in der Gewalt der Stille."
So lautet eine der Zustandsbeschreibungen der europäischen Gesellschaften des ausgehenden 20. Jahrhunderts, die die im Erscheinungsjahr 1997 70jährige Viviane Forrester in der feuerrot eingebundenen deutschen Ausgabe von "l'horreur economique" mit leidenschaftlichen, dicken Pinselstrichen malt. Die Farbe des Umschlags deutet auf eine klar ortbare Position hin, die dem Leser dann auch tatsächlich geboten wird, man möchte hinzufügen: Endlich.
Fernab von altmarxistischem Vokabular versucht die Autorin, die allgegenwärtig vernehmbare, wiederkäuende ökonomische Diskussion, die sich inzwischen auf Schlagworte wie "Flexibilisierung", "Deregulierung" und "Globalisiserung" reduzieren lässt, auf ganz andere Beine zu stellen.
Zunächst entlarvt sie die gegenwärtig öffentlich benutzte Sprache der Ökonomie als Gebilde, das mehr zu Täuschung und Beschwichtigung als zu wirklichem Diskurs benutzt wird.
So sind die drei genannten Zauberbegriffe, von denen eine magische Stillhaltewirkung auf die Opfer des ökonomischen und sozialen Umbaus der europäischen Gesellschaften auszugehen scheint, nichts als freche Euphemismen für "Ausbeutung", "Anarchie" und weltweiter "Verbündung" derjenigen Kräfte, deren erklärter Daseinszweck die Profitmaximierung, ergo die Abschaffung von teuren Arbeitnehmern ist.
Ja, die Objekte der Ausbeutung plappern auch noch bewusstlos die ihnen vorgekaute Welterklärung nach und machen sie sich zu eigen. Sie saugen die totale ökonomische Definition aller Bereiche des Lebens bereitwillig in sich auf und fühlen sich selbst sogar verpflichtet, ihre Daseinsberechtigung aus ihrer ökonomischen Verwertbarkeit bzw.ihrem ökonomischen Status abzuleiten. Sie denunzieren sich sogar gegenseitig als "Schmarotzer", weil einer ein bisschen weniger arm dran ist als der Andere.
Soweit wäre dies im Grunde der alte sozialistische bzw. sozialdemokratische Ansatz vor dem Hintergrund der 90er Jahre, wenn die Autorin nicht eine ganz entscheidend neue Qualität der heutigen Situation von - wie es so schön heisst -Arbeitnehmern und Arbeitgebern herausstellen würde: Die Abschaffung der Arbeit als Grundlage der Existenz und als Triebkraft der wirtschaftlichen Dynamik.
Sie führt uns den Zynismus des Rufes nach mehr "Selbstverantwortung" und mehr "Initiative" bei der Arbeitsplatzsuche vor Augen und das verrückte Paradoxon der Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfänger. Sie schreibt: "In Wirklichkeit geht es nicht um den Anreiz, Arbeit zu suchen, sondern um den Anreiz, sich ausbeuten zu lassen, zu allem bereit zu sein, um nicht vor Elend einzugehen (...). Und das nicht ohne nebenbei noch die Schuld der Opfer hervorzuheben, die nie eifrig genug um das betteln können, was man ihnen verweigert und was ja auch gar nicht mehr existiert." Sie stellt diesem Gedanken im Gegenzug eine wesentliche, nie gestellte Frage gegenüber: "Muß man zu leben (überhaupt) 'verdienen', um das Recht zu leben zu haben?"
Forrester geht dabei von der Arbeits-Losigkeit als immer mehr sich stabilisierender Norm aus, und nicht als einem vorübergehenden Zustand, der irgendwann, zu einem unbestimmten Zeitpunkt, nämlich dann, wenn es "Die wirtschaftliche Situation" erlaube, schon wieder aus der Welt geschafft würde. Dieses "Irgendwann" ist für die Autorin lediglich eine Verblendung und Verleugnung der Tatsache, daß es "Der Wirtschaft" schon jetzt blendend gehe, also eine dreiste Verdrängung der einzig realen Erfahrung der letzten etwa 15 Jahre: Wirtschaftliches Wachstum hat zu mehr Arbeitslosigkeit geführt, ja, eine hohe Arbeitslosigkeit sei inzwischen geradezu die Voraussetzung für profitables Wirtschaften, weil die einigen wenigen Arbeitskräfte, die noch gebraucht würden so gut wie umsonst und zu beinahe allen Bedingungen zu haben seien.
Also, fragt sie, wäre es angesichts dieser Tatsachen nicht an der Zeit, die Arbeit als einzige Existenzgrundlage und -berechtigung, also die eigene "Rentabilität" für die Gesellschaft endlich als überflüssig zu akzeptieren - und nicht die Überflüssigkeit von Menschen zu postulieren, denen ein verändertes Gesellschaftssystem nicht einmal mehr ihre "Verwertbarkeit" anbieten kann?
Sie folgt dem Gedanken der Überflüssigkeit von Menschen mit erschreckender Konsequenz und weist dieser ökonomistischen Auffassung des Menschen eine latente Nähe zu dem Begriff des "unwerten Lebens" nach, den sie expilizit allerdings nicht gebraucht.
Doch durch Beispiele von zu Lampenschirmen gemachter Leichenhaut und von armen Menschen, die ihre Organe für Transplantationen gegen Geld feilbieten wird hinreichend klar, welches totalitäre und grausame Potential sie dem Primat des Profits zutraut.
Viviane Forrrester hat mit diesem Buch ein in den letzten Jahren öffentlich beinahe unbesetztes Terrain betreten, das schon mit einem Tabu belegt schien:
Das Terrain einer linken, demokratischen Gesellschafts- und Ökonomiekritik, das riskante Feld einer politischen und ideologischen Alternative zur gegenwärtigen europäischen "Einheits-Ideologie" des Liberalismus, die niemals als solche zur Debatte gestellt sondern stillschweigend mit Euphemismen als eine Art unumstößliches Naturgesetz eingeführt wurde. Dabei erinnert sie laut daran, daß auch der Liberalismus nur eine von vielen Möglichkeiten darstellt, nach von Menschen gemachten Regeln zu wirtschaften.
Und diese weiteren Möglichkeiten versucht Forrester - in zugegeben dick aufgetragenen und stellenweise stark verkürzten düstersten Bildern -herauszuarbeiten, indem sie zunächst den gegebenen Zustand in die Zukunft hinein extrapoliert um dann aus dem erschreckenden Ergebnis die vollständige Veränderung unserer Begriffe von Arbeit und Nützlichkeit fordert. Ihr geht die Erhaltung und Weiterentwicklung von Demokratie und wahrer Lebensqualität entschieden über eine sklavische Bedienung von Gewinnzahlen, die doch nur einigen Wenigen zugute kommt, wie die letzte Dekade in ganz Europa gezeigt hat.
Man kann der Autorin sicherlich hier und dort mangelnde "Sachlichkeit", ihre Leidenschaft und ihre Emotionalität vorwerfen, wen man unbedingt wollte. Doch genau dies sind Teile ihrer Botschaft: Daß es beim "globalen Wirtschaften" niemals um kühle Sachlichkeit und Statisiken gehen darf, sondern immer und überall um wirkliche lebendige Menschen. Den Menschen habe die Wirtschaft zu dienen und nicht die Menschen der Wirtschaft., wenn wir noch alle eine Zukunft haben wollten, auf die wir hoffen können.
Viviane Forrester hat im "Terror der Ökonomie" ein streitbares, erfrischend ehrliches und provozierendes Bekenntnis abgelegt, bestens dazu geeignet zur Verflüssigung der festgefahrenen öffentlichen Sprachrituale beizutragen und sie aus der geschwätzigen Bewusstlosigkeit zu erwecken. Das Buch ist auch über 10 Jahre nach seiner deutschen Publikation noch immer erschreckend aktuell.
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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Keine Frage, Gut aber... 10. September 2011
Von micha
Format:Gebundene Ausgabe
um es mal kurz zu machen. 1996 geschrieben natürlich weiterhin aktuell - V.F. beschreibt den Untergang der Arbweitswelt, die Auswirkung des totalitären liberalen Systems auf den Menschen, welches Elend, Angst und Unsicherheit bis hin zur Gleichgültigkeit und Maßlosigkeit produziert. Die Verinnerlichungsprozesse dieser zu einer marktradikal verkommenden Ideologie werden von ihr scharfsinnig beschrieben. Insgesamt ein gutes Buch, das sich aber allzu oft wiederholt. Ich lese fast nur sozialwissenschaftlche Literatur - vielleicht auch eine persönliche Ermüdung oder eine beständige Einsicht der eigenen Machtlosigkeit.

empfehlenswert!!! Nix neues aber das richtige geschrieben :)
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