Polizeioffizier Carlos Hernández ("Ich"-Erzähler) ist Mitglied einer Sondereinheit der mexikanischen Polizei, die ausschließlich "heikle" Kriminalfälle bearbeitet. Da Hernández zwei Familien versorgen muß, die seiner Ehefrau und die seiner Nebenfrau mit dem jeweiligen kinderreichen Anhang, ist er auf jede Einkommensquelle angewiesen, die er sich erschließen kann. So kassiert er schamlos Schutzgeld von Geldverleihern, und dies wenn es sein muß auch mit Waffengewalt, vermittelt illegale Waffengeschäfte, entwendet Schmuckgegenstände die sich im Besitz von getöteten Gangstern befunden hatten und spielt den Zuhälter von Prostituierten. Das natürlich auch sein Vorgesetzter, der Kommandant, seinen Teil vom Kuchen abbekommen muß, versteht sich von selbst. Auch mit der Treue, gegenüber seinen zwei Frauen, nimmt er es nicht allzugenau und ist somit für jedes amoröse Abenteuer zu haben. Alles in allem ist Hernández eine Persönlichkeit, die beim Leser zwiespältige Gefühle hervorruft. Der fürsorgliche Ehemann, besorgte Vater und verbrecherjagende Gesetzeshüter auf der einen Seite und der notorische Fremdgeher, skruppellose Egoist und korrupte Polizist auf der anderen Seite. Nach mitteleuropäischen Maßstäben hätte dieser Mann nichts in einer Polizeibehörde zu suchen, aber vielleicht laufen die Uhren in Mexiko ja tatsächlich ein bißchen anders.
Der Argentinier Rolo Diez hat hier einen knallharten Polizeikrimi vorgelegt, der vor keinem Tabu halt zu machen scheint. Ein gut lesbarer Schreibstil und ein aktionsgeladenes Geschehen lassen das Leseerlebnis kurzweilig erscheinen, doch ist die Gesamtgeschichte nicht allzu verworren um nicht zu sagen "platt" und durchsichtig. Hier dominiert nicht die Frage: "Wer ist der Mörder?", viel mehr lebt das Buch von dem Vorgehen des Hauptprotagonisten und dessen Versuchen sich finanziell schadlos zu halten.
Dieses Buch ist sicherlich ein Werk, das sich gut in die Gesamtheit der "Schwarze Serie"-Krimis eingliedert ohne jedoch eine herausragende Stellung zu erlangen.
Anzumerken bleibt noch, daß der Roman insgesamt 179 Seiten umfaßt, mit relativ großer Schrifttype versehen, und es fraglich ist, ob der Neuanschaffungspreis von 10,80 ¤ hier ein sinnvolles Preis-Leistungs-Verhältnis darstellt.