Die Kolumnistin des "New Yorkers", Maeve Brennan, die 1993 im Alter von 76 Jahren gepeinigt und dennoch vergessen vom Leben völlig mittellos aus diesem schied, gilt als eine der großen literarischen Entdeckungen der letzten Jahre. Ihr Leben und Werk untermauert die These, dass ein qualvolles Leben - das in ihrem Fall sogar in geistiger Umnachtung endete - der Qualität des Schreibens förderlich ist. Scharfzüngig und brillant funktionierte sie viele Jahre lang als produktive Mitarbeiter des renommierten amerikanischen Wochenmagazins, für das sie Essays, Rezensionen und Reflexionen zum Zeitgeistgeschehen schrieb. Betrachtet man ausschließlich ihre äußeren Lebensumstände, so wäre auch ein völlig anderes Leben denkbar gewesen. Auf den Einbänden ihrer Bücher ist sie als schöne, elegante junge Frau zu sehen. Ihr Vater war der erste Botschafter Irlands in den USA, was ihr mühelos Zugang zu den gehobenen gesellschaftlichen Kreisen der Ostküste verschaffte. Aber ihr Wesen ließ ein luxuriöses Oberschichtleben nicht zu. Zu abgründig und düster war ihr Innenleben und nur das Schreiben verhalf ihr zu den Krücken, die sie brauchte, um in ihrer Außenwelt zu bestehen. Irgendwann in den Siebzigern des vergangen Jahrhunderts gewann die Düsternis ihrer Seele die Übermacht und leitete mit einem Nervenzusammenbruch den Untergang von Maeve Brennan ein. Sie starb leise und vergessen vom Rest der Welt.
Aber ihre Geschichten sind noch da und werden wieder neu verlegt. Nach der Novelle "Die Besucherin" und den Stories "Mr. und Mrs. Derdon" sind jetzt weitere Erzählungen unter dem sperrig-schönen Titel "Der Teppich mit den großen pinkfarbenen Rosen" erschienen. Sie schildern acht Episoden aus dem Eheelend der Bagots, die mit zwei Töchtern in einem Reihenhaus in einem gesichtslosen Vorort von Dublin leben. Die Vorstadthölle diente schon vielen Autoren als Rahmen für ihre Geschichten. Die von Brennan werden durch eine leise, poetische Erzählweise gemildert, dennoch sind sie gnaden- und hoffnungslos. Ihre atmosphärisch dichte Erzählweise bringt uns die Bagots und ihr Ameisenleben schnell nahe. Dennoch bleiben sie uns fremd und fern. Wer leichte Unterhaltung sucht, sollte nicht zu Brennan greifen. Die Lektüre ihrer Geschichten verstört und vergiftet eigenes Denken; Trost bietet allein ihr schriftstellerischen Talent.
Helga Kurz