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Der Taumel: Roman Gebundene Ausgabe – 13. März 2000


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Pressestimmen

" Der Taumel ist ein letztes Dokument in einer langen Reihe deutschsprachiger Weltliteratur aus Prag. [...] Das fehlende Ende des sprachlich anspruchsvollen Fragments verleiht der Geschichte den Charakter der Unendlichkeit: Wir wissen nicht, woher und wohin, aber wir folgen dankbar, soweit uns Libuse Monikova noch führen konnte." Harald Loch, Rheinische Post, 30.03.00 " Der Taumel ist ein Roman, der auf großartige Weise mit dieser Erfahrung der Diskontinuität umgeht, indem er eine Verkettung von Motiven schafft, nichst in den Vordergrund schiebt, nichts singulär erscheinen läßt." Karin Röggla, Frankfurter Rundschau, 22.03.2000

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

1.

Die paar Stolper an der Schwelle machten ihm nichts aus. Der Beamte riß vor ihm die Tür auf, durch den Luftdruck spürte er ein warmes Rinnsal zu seiner Oberlippe gleiten, das er flüchtig wegwischte. Ein paar Tropfen aus der Nase fielen vor seine Füße auf die Kacheln des Gerichtsgebäudes, die nach Karbol rochen - der einheitliche Geruch der Staatsplanwirtschaft; in diesem Augenblick hielt er es für einen Sieg, daß sie ihm die Hosenbeine nicht beschmutzten, wie vorher beim Verhör. Das Hemd war schon etwas mitgenommen, fast verschämt stopfte er den hellen, befleckten Stoff hinter den Gürtel und glitt das Geländer hinab, hielt sich an der abgewetzten Holzstange fest, die schon vor ihm so vielen den ersten Halt geboten hatte. Glattgehobelt von unzähligen Händen, zittrig, von Angst- und Schmerzschweiß feucht. Die Stange, inzwischen an einigen Halterungen wacklig, die Fassungsringe aus dem Mörtel gelockert, war ihm eine Stütze. Die Berührung des Holzes, hell, gemasert, sicherer als das Hauptgeländer aus Gips - klobig, eckig, das an der Treppe entlang emporlief und in einer Nachahmung eines pompösen Kandelabers oder einer Säule mit einer Art Wappen, innen hohl, auf der Empore und der ersten Biegung der Treppe endete. Den glatten, ocker-dunkelroten Gips mochte er nicht anfassen. Bereits angeschlagen, bot er keinen Halt, die Holzstange, mit dem richtigen Umfang für seine Hand, war eine Hilfe. Die Berührung des warmen Holzes, seiner Maserung, gab ihm Sicherheit. Er wollte wieder Bäume anfassen. Vor dem Eingang die öde Haupttreppe, auf der Straße Passanten, die üblichen unauffälligen Wanzen, die ins Gebäude eilten, ohne nach rechts noch links zu sehen, mit geschäftigen Mienen. Autoverkehr, Straßenbahn wütend klingelnd, Benzingestank, Lärm. Buenos Aires, Moskau, Petus?ki, St. Peter, Prag, Berlin in den Dreißigern, Paris der Kommune. Assoziationen aus unzähligen Büchern. Seine Lektüre platzte wie ein Sandkasten in seinem Kopf auf. Namen zerstreuten sich, Zitate, die Grenze zwischen dem Gelebten und dem Gelesenen verlief unmerklich. Das "Gespräch" kam ihm bekannt vor - Zitate, die Fresse des ungeduldigen Zulangers, nur das Blut kam ihm vertraut vor, das Blut auf seinem Hemd, auf seinem Handrücken. Warm, geschmeidig, ein Teil von ihm. So sind wir beschaffen. Wir? Als hätte es ihn irgendwie befriedigt, daß er so beschaffen war wie die anderen. Oder beschämt. Erst als er die anderen sah.

Der Ermittler, magenkrank - es roch nach schlechtem Kaffee, die zwei Beisitzer, Beistehenden. Als der andere kam und der Ermittler sich kurz entfernte, stieß der erste ihn an, vielleicht waren sie auf ein Bier verabredet und der eine verlor die Geduld. Der Ermittler schüttelte den Kopf, über Brandl und über den Aufpasser. Bisher waren sie eher zurückhaltend ... Dieses Verhör - Gespräch, korrigierte sich Brandl, er bemühte sich, die Harmlosigkeit, die Banalität dieser Begegnungen klein zu halten; kein Flattern, kein Atemanhalten, kein Schweißausbruch. Brandl klopfte automatisch sein Sakko nach Zigaretten ab. Er hatte vorhin versucht, das Bedürfnis zu rauchen niederzudrücken. Er hätte sich eines Vorteils begeben. Der Ermittler würde ihm in seiner ungelenken Freundlichkeit Feuer geben. Aus einem flackernden Feuerzeug oder einer halb verbrauchten Zündholzpackung, Brandl müßte sich dann weit nach vorn vorbeugen, den Kopf senken und die Zigarette über der Flamme womöglich mit zitternder Hand halten, ziehen. Der Ermittler würde wahrscheinlich die Flamme zu früh entfernen. Brandl würde ohne Feuer da sitzen. Nur keine Schwäche zeigen. Aber nach Feuer zu suchen, sein Sakko, seine Hose abzuklopfen wäre zu umgänglich, zivil, gesellig. Keine Geselligkeit mit diesen Chargen. Noch war er frei. Er beobachtete sie. Er wußte, wie sie reagieren würden. Das Schäkern mit den Putzfrauen und den Frauen, die Brötchen brachten. Kaffee dem "Leutnant", Major. Ein flüchtiger Blick zu ihm. Hauptsache, von ihm nichts wahrzunehmen, als wäre der Umstand, daß er da saß, ansteckend.


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