Elf Jahre, nachdem seine amerikanische Jugendliebe aus der Studienzeit in Oxford ihn urplötzlich verlassen hatte, ereilt den Biologen David Mortimer die Nachricht, dass Anna Russell bei einem Verkehrsunfall in Boston schwer verletzt wurde. Erschütternd ist für ihn besonders die Information, dass dabei auch seine Tochter Rachel verletzt wurde, ein Kind, von dessen Existenz er bislang nichts wusste. Widerstrebend fliegt der introvertierte Mann in die USA. Er ist mit der Situation, die er vorfindet, zunächst überfordert. Anna liegt im Koma, Rachel stellt sich als Mädchen mit einer autistischen Störung heraus. Ihre Großmutter und der Lebensgefährte ihrer Mutter streiten sich darum, wer sich am besten um das Kind kümmern kann. Beide versuchen dabei, David auf ihre Seite zu ziehen. Der will nur herausfinden, warum Anna damals vor ihm geflüchtet ist.
Bei vielen Romanen ist der Weg das Ziel, aber manchmal verirrt man sich als Leser auch bei zu häufigen Umwegen und Nebensträngen – mögen die vom Autor gewählten Routen auch noch so schön sein. Das ist in diesem Fall leider geschehen. Ständig driftet die Erzählung in ausschweifende Rückblenden ab. Hinzu kommen sehr ausführliche Beschreibungen von Landschaft und Botanik, die zwar gut recherchiert scheinen, aber in dieser Fülle doch vom Wesentlichen ablenken. Annas Kampf, aus dem Unterbewusstsein zurück ins Leben zu finden, verkommt zu einer Nebensächlichkeit. Auch die persönlichen Beziehungen, die Beweggründe der Figuren für ihr Handeln rücken oft aus dem Blickfeld, weil ihnen nicht genug Raum geboten wird. Ein Buch, dessen Thema zu Herzen gegangen wäre, hätte es die Chance gehabt, sich zu entfalten.