Ariadne von Schirach hat im Leben unverschämtes Glück. Sie ist jung, hübsch, kann nicht schreiben und begegnet Matthias Matussek, der 2005 ihren Essay 'Der Tanz um die Lust' im SPIEGEL veröffentlichte, den sie nun zu einem ganzen Buch aufblies.
Auf 382 großzügig gefüllten Seiten entfaltet sie in 4 Kapiteln (Die pornographischen Strategien, Die erotischen Strategien, Die Jagd, Liebe) immer dasselbe und ist auch noch auf Seite 373 stolz darauf, vögeln oder ficken zu schreiben.
Worum geht es?
Darum, dass eine ganze Generation in Berlin die Nächte in den angesagten Kneipen durchsäuft (einen 'Vodka' nach dem anderen) und dann allein oder zu zweit oder zu dritt nach Hause geht und am nächsten Morgen mit Kopfweh und Katzenjammer wieder aufwacht und am Abend aufs Neue loslegt. Irgendwo kommt das Geld her. Man leiht es sich, man jobbt in einer Galerie, dreht Filmchen, ist gut drauf, ist nicht gut drauf, fährt nach Hamburg, um dort zu vögeln, kommt zurück nach Berlin, um dort zu ficken, wird langsam älter, sehnt sich nach der Liebe und wird doch immer wieder enttäuscht, weil offensichtlich niemand da ist, der sagt: 'So Kinder, nett, aber nun ist Schluss mit lustig, ab sofort wird gelebt, das Geld selbst verdient und die Beziehung mal wirklich in Angriff genommen.'
Eine Generation, die sich mit Belanglosigkeiten zulabert, sich präsentiert, wichtig nimmt (in Ordnung), ihren Körper zelebriert, an die Seele keinen ranlässt und schwätzt und schwätzt und schwätzt und Zusammengelesenes aus dem Zettelkasten zitiert, dem man auch nicht traut, wenn z. B. ein Kapitel mit einem langweiligen Statement eingeleitet wird, unter dem dann steht: 'Mann, Mitte dreißig'. Oha!
Dazwischen wird die ältere und neuere Literatur zum Thema zitiert, auf Seite 333 auch einmal das schöne Gedicht von Brecht: 'Entdeckung an einer jungen Frau' - die Autorin ist auf der Höhe der Zeit.
Irgendwann wacht sie hoffentlich auf, schmeißt den 26. One-night-Stand aus dem Bett, schüttelt den Kopf, duscht kalt nach, zieht eine frische Jeans an und nimmt ihr Leben in die Hand. Als Spätgebärende oder Single oder ernstzunehmende Partnerin. Zu wünschen wäre es ihr ebenso wie der ganzen Clique: SusiPop, Tim, die Eisprinzessin, Flexter, Linda, König Gunter und alle anderen.
War was?