Beide Bücher von Lieve Joris über die Demokratische Republik Kongo, vormals Zaire, leben von ihren Begegnungen mit Kongolesen, und zwar im ganzen Land, von der Hauptstadt Kinshasa bis in die entlegene Provinz Katanga. "Tanz des Leoparden" erzählt von einer Reise, die wohl um 1997 stattgefunden haben muss (leider ist im ganzen Buch nicht ein Datum angegeben), in einer Phase des Umbruchs, der Chance zur politischen Erneuerung, der Ungewissheit und Angst, als Mobutu ins Exil ging und Kabila sen. sich an die Macht putschte. Es ist allerdings nicht der Anspruch des Buches, politische Verhältnisse zu erklären, sondern etwas über Land und Leute, Einstellungen, Mentalitäten mitzuteilen.
Joris nimmt ihre afrikanischen Gesprächspartner ernst, es ist eine gleichberechtigte Begegnung, sie fragt sie nach ihrer Meinung, versucht, Widersprüchlichkeiten (wie die Trägheit eines Großteils der Bevölkerung, die Anspruchshaltung gegenüber westlichen Regierungen und Hilfsorganisationen oder das Sich-Ausspielen-Lassen durch die Tribalismuspolitik der jeweiligen Herrscher) zu verstehen, nimmt sich zurück mit moralischen Urteilen und abwertenden Kommentaren. Sie lässt die Menschen für sich sprechen, vom Tolekisten (Fahrradchauffeur) bis zum Professor und Regierungsbeamten. Auch ist sie niemals sensationsgeil, auch nicht angesichts brutaler Gewaltanwendung (z.B. gegen Tutsi), die ihr kolportiert wird.
Joris bewegt sich mit großer Selbstverständlichkeit durch das Land und ist dabei gleichzeitig überaus offen. Sie hinterfragt - wie jeder ordentliche Feldforscher es tun sollte - regelmäßig ihren eigenen Blick, versucht Verzerrungen zu korrigieren. Das alles macht sie in ihrem Zugang zum Kongo bzw. zu Afrika nicht nur besonders sympathisch, sondern hat außerdem den Vorteil etwas zu erfahren über die Menschen; man fühlt sich nicht ob der sonst vielbeschworenen Andersartigkeit noch weiter entfremdet, sondern tatsächlich ein Stück näher dran.
Ein sehr gutes Stück Reiseliteratur, wie auch der Vorgänger von einer Reise 10 Jahre zuvor ("Das schwarze Herz Afrikas"). Heilsam ist das Buch obendrein, denn der Kongo ist doch in der westlichen Wahrnehmung (verständlicherweise) sehr angstbesetzt und gilt als nicht bereisbar. Vielleicht ist Lieve Joris töricht, aber sie zeigt das Gegenteil.
Mehr Karten und eine Zeitleiste wären ein Sahnehäubchen, ohne das sich leben lässt.