Die Tatsachen, an denen die Argumentation des Buches in seiner Einleitung ansetzt:
Im Zeitalter der in ihren radikalen Konsequenzen immer noch weitgehend unverstandenen Globalisierung geraten die westlichen Industrieländer durch die aufstrebenden osteuropäischen und asiatischen Staaten unter Druck. Wenn China inzwischen zur Fabrik der Welt geworden ist, dann ist Indien mittlerweile ihr IT-Dienstleistungszentrum. Ähnliches ist in Osteuropa zu beobachten. Schon heute sind in Prag, Krakau und Budapest durch gezielte Verlagerungen westeuropäischer Unternehmen zahlreiche Boomregionen entstanden. Auch dort sind die Arbeitskräfte gut ausgebildet, fleißig und billig.
In den USA hingegen hat sich die Zahl der Industriebeschäftigten innerhalb einer Generation nahezu halbiert; in Deutschland gingen seit der Wiedervereinigung rund ein Drittel der Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe verloren, also rund drei Millionen. Unsere Investitionsquote ist von 18% (1970) auf 4% gesunken, d.h. das Kapital wird vorwiegend im gewinnbringenderen Ausland investiert. Seit 1995 hat sich der Kapitalbestand deutscher Unternehmen im Ausland von 11 auf 31% des Bruttoinlandprodukts verdreifacht.
"Die Löhne in Westeuropa werden weiter auf breiter Front sinken, und zugleich werden viele Arbeitsplätze für immer verschwinden, wenn es nicht gelingt, eine zunehmende Anzahl von Hochqualifizierten auszubilden und mit ihrer Hilfe immer wieder innovative Produkte zu schaffen. Die Zahl und Qualifikation der talentierten Geistesarbeiter wird dadurch immer deutlicher zu einer Größe, von der unser aller Wohlergehen abhängt", meinen die Verfasser (auf S. 25).
Die demographische Situation:
Talente und Begabungen müssen jedoch nicht nur ausgebildet werden, sondern erst einmal geboren werden. Daß dies in genügender Zahl geschieht, daran hat nicht nur Peter Mersch Zweifel, siehe
Hurra, wir werden Unterschicht!: Zur Theorie der gesellschaftlichen Reproduktion. So gesehen, war die Elterngeld-Gesetzgebung der Deutschen Bundesrepublik ein erster Schritt in die richtige Richtung.
Bis 2020 - so die Verfasser - wird die deutsche Erwerbsbevölkerung um vier Millionen zurückgegangen sein, und jeder zweite Arbeitnehmer wird über 50 Jahre alt sein. Viele Wirtschaftssektoren beginnen bereits heute händeringend nach Hochqualifizierten zu suchen. Den großen Forschungsabteilungen der Industrie fehlen zunehmend die fähigen Naturwissenschaftler und Diplom-Ingenieure. "Es sind letzlich die Hochbegabten und intellektuell Talentierten, die das Schmieröl unserer Wirtschaft bilden" (S. 26).
Zu Beginn des Jahres 2007 - nachzulesen in der Zusammenfassung des Buches (auf S. 253) - meldeten die deutschen Unternehmen, daß sie insgesamt 1,5 Millionen hochwertige Stellen nicht besetzen können, weil entsprechend qualifiziertes Personal fehlt. Der Arbeitsmarkt ist teilweise wie leergefegt. Vor allem bei Ingenieuren klaffen riesige Lücken. Man kann eben nicht jeden der noch 3 Millionen Arbeitslosen zu einem derartigen Fachmann ausbilden. So gesehen aktualisiert dieses Buch die Argumente, die bereits in
Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik nachzulesen sind.