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Der Tag, an dem mein Bein fortging Taschenbuch – 2009

3.9 von 5 Sternen 12 Kundenrezensionen

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Pressestimmen

Auch Ärzte werden zuweilen Patienten; allerdings hört man sie selten davon reden. Und es fragt sich, ob sie die Erfahrung von gewöhnlichen Kranken machen, denn sie haben ihnen etwas Entscheidendes voraus: das Wissen. Um so überraschender, tröstlicher, amüsanter ist ein neues Buch des britischen Neurologen Oliver Sacks, das von der Hilflosigkeit berichtet, die aus der Ahnungslosigkeit entsteht, weil sie die Erlebnisse ohne Vorbereitung über den Kranken hereinbrechen läßt. (FAZ)

Über den Autor und weitere Mitwirkende

Oliver Sacks, geboren 1933 in London, war Professor für Neurologie und Psychiatrie an der Columbia University. Er wurde durch die Publikation seiner Fallgeschichten weltberühmt. Nach seinen Büchern wurden mehrere Filme gedreht, darunter «Zeit des Erwachens» (1990) mit Robert de Niro und Robin Williams. Oliver Sacks starb am 30. August 2015 in New York City.
Bei Rowohlt erschienen unter anderem seine Bücher «Awakenings – Zeit des Erwachens», «Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte», «Der Tag, an dem mein Bein fortging», «Der einarmige Pianist» und «Drachen, Doppelgänger und Dämonen». 2015 veröffentlichte er seine Autobiographie «On the Move».


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Format: Taschenbuch
Allein auf einer Wanderung in Norwegen stürzt Sacks auf dem Hardangerfjäll eine Klippe hinunter, als er in plötzlicher Panik vor einem Stier flieht. Sein Quadrizeps reißt ab, sein Bein ist unbrauchbar. Mühsam, aber beherzt schleppt er sich talabwärts. Gegen Abend, dem Erfrieren nahe, wird er durch puren Zufall entdeckt und in ein Krankenhaus gebracht. Die Operation verläuft medizinisch erfolgreich.
Doch dann passiert das Unglaubliche: Sacks erkennt sein Bein nicht mehr. Es ist zu einem Fremdkörper, einer Fälschung, einer kalkigen Gipssäule geworden.
"Der Tag, als mein Bein fortging" ist keine Sammlung erschütternder und/oder kurioser neurologischer Krankheitsbefunde, wie man sie von anderen Sacks-Büchern gewohnt ist. Es ist vielmehr eine vom Autor selbst erlebte Situation. Die Authentizität, mit der der Autor selbst durchlebte und durchlittene Momente schildert, läßt ihn viel stärker in die Tiefe gehen.
Das Buch schildert neben der erschreckenden Erfahrung der Entfremdung einzelner Körperteile hauptsächlich die generelle Situation von Patienten mit schweren Befunden: Unvermittelt zu völliger Passivität verdammt, sind sie mit Gedanken und Gefühlen allein, werden oft in ihrem Erleben nicht ernst genommen. Sie gewöhnen sich an die isolierte, doch schützende Situation in Kliniken und Instituten. Im Zuge der Genesung müssen sie sich jedoch die Rückkehr in die "normale Welt" mit ihrer als bedrohlich empfundenen Geschwindigkeit erst erarbeiten.
Pluspunkt: Zahlreiche philosophische Exkurse zwingen zum Nachdenken über das eigenen Erleben, der Wiedererkennungswert war für mich hoch. Minuspunkt: Trotzdem hat das Buch Längen: Die Handlung ist einfach zu spärlich.
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Format: Taschenbuch Verifizierter Kauf
Ich habe das Buch zweimal gelesen. Das erste Mal war der Eindruck in manchem dem meiner Vorrezensenten ähnlich: etwas langatmig, weitschweifig etc. (So ist er nun mal: er liebt Fußnoten, Anmerkungen, und seine Bücher würden wahrscheinlich nie fertig, wenn er nicht geduldige, aber unnachgiebige Mitarbeiter hätte). Dabei liebe ich den alten Oliver über die Maßen (siehe Rezension über "Onkel Wolfram"...). Das zweite Mal las ich das Buch, nach dem ich selbst gesundheitlich einiges durchgemacht und immer noch Mühe hatte, mich aus dem Tal körperlicher und psychischer Gebrechlichkeit wieder heraus zu arbeiten.Es schien die passende Zeit für eine zweite Lektüre, und so war es auch. Ich fühlte mich seinem Erleben sehr nahe, in meiner eigenen menschlichen Not verstanden (auch wenn diese nicht neurologischer Natur war), weil er nämlich grundlegende Wahrheiten menschlicher Erfahrung in Worte fasst. (davon ab: die Beschreibung seiner körperlichen Selbstentfremdung ist grandios, erschreckend, befremdend, der Engländer würde sagen: "haunting"...) Oliver Sacks verbindet in seiner Prosa virtuos Natur- und Geisteswissenschaften, eigene Empfindungen, Erlebnisse und Erfahrungen mit philosophischen und spirituellen Gedanken. Das muss man allerdings mögen, um dieses Buch zu mögen, in dem er - so persönlich, wie sonst vielleicht nur in "Onkel Wolfram" - seine eigene Geschichte quasi archetypisch überformt, so dass sie letztlich für jeden leidenden, fühlenden und denkenden Menschen Gültigkeit haben könnte. Vielen, die selbst so eine "Höllenfahrt" in die Krankheit (und hoffentlich auch eine "Auferstehung" danach) erlebt haben, könnte dieses Buch etwas geben.Lesen Sie weiter... ›
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Von Shaun TOP 1000 REZENSENT am 10. August 2015
Format: Taschenbuch
Der 1933 in London geborene Neurologe und Schriftsteller veröffentlichte schon viele interessante Fallbeispiele zu neurologischen komplexeren Krankheitsbildern in einem populärwissenschaftlichen anekdotischen Stil, wobei sein großes Vorbild der russische Begründer der Neuropsychologie Alexander Lurija ist. Bekannt wurde er durch die Verfilmung seines Buches 'Awakenings' über die kurzfristig erfolgreiche Behandlung von Patienten mit der europäischen Schlafkrankheit (Encephalitis lethargica) mit L-Dopa. Sein bekanntestest Werk ist 'Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte'.

In der 1984 im Original erschienen autobiografischen Geschichte erzählt Sacks von einem Unfall bei einer Wanderung in den norwegischen Bergen. Er flieht vor einem Stier und kommt dabei zu Fall. Dabei reißt die linke Quadriceps-Sehne durch, und mit Mühe gelingt ihm der Abstieg und die Rettung durch Jäger. Im Krankenhaus wird er erfolgreich operiert und das Bein eingegipst, dennoch erlebt er nachfolgend in einem sehr abgeschlossenen Krankenzimmer eine völlige Entfremdung seines Beines, das ihm sozusagen abhanden kommt und das er zunächst auch nicht mehr willentlich bewegen kann.

Im weiteren wird eine Nervenlähmung ausgeschlossen, es liegt auch kein Schlaganfall zugrunde. Aber erst mit Überführung in ein freundlicheres Zimmer und nach dem Umgipsen unter krankengymnastischer Übung und mittels innerer Musikempfindung passiert ganz nebenbei, eben nicht bewusst, die Heilung: die Innervation und Bewegung des Beines. Sacks begleitet das für ihn schreckliche Erleben mit dem Studium vergessener Fallbeschreibungen so berühmter Neurologen wie Weir Mitchell, Babinski, Leontjew und Zaporozec.
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