Online-Magazin "Leselust" im Schreib-Lust-Verlag; Juli 2008;
Man kann bereits sehen, "Der Tag, an dem Weihnachten starb", ist eine sehr gemischte Kurzgeschichtensammlung mit mannigfaltigen Themen. Genau das Richtige für Situationen, in denen eben nur Zeit für etwas Kurzes ist. Denn am Stück lesen sollte man das Buch nicht, dazu ist es zu gemischt und es wäre schade, sich nicht jedes Mal ein wenig Abstand zu nehmen, um die einzelnen Geschichten ausreichend genießen zu können. Aus den Tiefen des Ozeans geht es in eine alte Schusterwerkstatt und die Welt von Edelleuten, Handwerkern und Wirten mit den Geheimnissen alter Gänge. Manches ist Erzählung, manches Satire und immer wieder tauchen Geschichten mit sehr gut beobachteter Gesellschaftskritik auf. Die meisten Geschichten weisen überraschende Wendungen auf und Ralf Seybold hat keine Scheu, seine Protagonisten bis in die Tiefen auszuloten und geht den Weg sich die schlimmstmögliche Wendung vorzustellen bis zum Ende.
Der Autor selbst stellt den Ausspruch von Jorge Luis Borges der Sammlung voran: "Uns fehlt der Optimismus des 19. Jahrhunderts, zu glauben, diese Welt ließe sich auf fünfhundert Seiten einfangen; deshalb wählen wir die kurze Form." Das passt hervorragend zu diesem Buch, den es bietet Einblicke in die verschiedensten Ausprägungen unserer Welt. Krieg und Elend sind genauso thematisiert wie menschliche Abgründe und Berggipfel.
Alles in allem eine gelungene Mischung von Kurzgeschichten, die das Lesen und drüber nachdenken lohnt.
Regina Lindemann, Magazin "Leselust"
Kurzbeschreibung
In diesem Band finden sich nachdenkliche, kriminell spannende und lustige Geschichten aus dem Leben und dem, was es sein könnte. Geschrieben und ausgesucht von Ralf Seybold.
"... er hat erstens Talent, zweitens den Willen sich zu verbessern und drittens Humor. Das ist eine gelungene Mischung!" (Freie Lektorin, tätig für mehrere namhafte Verlage)
"Eine Geschichte, die mich mehr berührt als so manch eine süßliche, Glöckchen klingende Geschichte ...", (Leserin über die Geschichte "Am Tag, an dem Weihnachten starb")
Der Verlag über das Buch
Der Autor über sein Buch
In den USA sehr beliebt, fristet die Kurzgeschichte in Deutschland ein Schattendasein. Aber nicht zu Recht. Zahlreiche Filme basieren auf "Short Stories", wie zum Beispiel "Zimmer 1408", "Total Recall", "Minority Report", "Momento" oder "Blade Runner", um nur wenige zu nennen.
In diesem Buch finden sich zahlreiche Kurzgeschichten unterschiedlicher Genres. Nachdenkliches, wie das Titel gebende und auf Tatsachen beruhende Nazi-Drama "Der Tag, an dem Weihnachten starb", finden Sie hier ebenso wie den klassischen Krimi. Aber auch witzige Alltagsgeschichten über Arbeit, Politik und – wieso sollte es fehlen – Mann, Frau und Kind sind in dieser Sammlung enthalten. Wie bei einer Pralinenschachtel ist für jeden Leser eine Sorte dabei, die er besonders mag. Ich hoffe, Sie finden viele Pralinen, die Sie mögen.
Klappentext
Talib, ein Junge in Afghanistan, versucht die notwendige Medizin für seine im Sterben liegende Großmutter zu erhalten und rechtzeitig zurück zu sein.
Silija sieht nur noch einen Weg, die politischen Probleme in Deutschland zu lösen.
Ein kleines Mädchen verwehrt dem Tod den letzten Tanz. Friedbert versucht die Schulden seines Herrn Friedrich von Öttinger beim Ortsadel zu Bodelshausen zu tilgen.
Rich und Gina sehen sich mit einem Serienkiller konfrontiert, der seit Monaten Florida terrorisiert und jeder Frauenleiche ein anderes Körperteil abschneidet.
Ursula hat Probleme mit der Rente, dem Schmuck und der viel zu viel geforderten Toleranz.
Volker holt sich bei Uschi, der Geliebten seines Sohnes, eine Kaffeeklatsche.
Und dann ist da noch die Frage, was Mars, Venus, der Taxi-Paule, Wolle und mein Freund Jürgen damit zu tun haben?
In diesem Band finden sich nachdenkliche, kriminell spannende und lustige Geschichten aus dem Leben und dem, was es sein könnte. Geschrieben und ausgesucht von Ralf Seybold.
Über den Autor
Sein erstes Kinderbuch "Rudi und der Taschendrache" wurde als Charity-Projekt aufgelegt, Autoreneinahmen werden wohltätig gespendet.
"Am Tag, an dem Weihnachten starb" ist eine Kollektion bereits veröffentlichter und einiger bislang unveröffentlichten Geschichten für Erwachsene.
Auszug aus Der Tag, an dem Weihnachten starb von Ralf Seybold. Copyright © 2008. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Innerhalb der nächsten Stunden der Fahrt schwenkte die niedergeschlagene Stimmung in Aggression um. Die Kameraden beschimpften sich gegenseitig, bissen und traten. Manche wurden wahnsinnig, rezitierten Gedichte oder fingen an zu singen. Zwei Kameraden mussten erschlagen werden, um keine Gefahr für die anderen darzustellen und säumten zusammen mit den Erstickten und Verletzten den Boden des Waggons.
Als die Waggontür endlich geöffnet wurde, nahm das helle Tageslicht Hans die Sicht. Seine Augen schmerzten nach den vielen Stunden in Dunkelheit.
Sie waren angekommen.
Das schnappende Geräusch der Hunde, ein unheimliches Bellen, vermischte sich mit den Schreien der deutschen Soldaten.
"Los, raus!", schrie ein Mann in grauem Mantel, "aber ein bisschen schneller, ihr faules Judenpack!"
Der Gewehrkolben eines SS-Soldaten streckte Hans nieder.
Sofort wurde er mit einem Knüppel wieder angetrieben.
Hans sah eine weinende Mutter, der ein anderer Wachsoldat das Kind entriss.
Der Junge, höchstens zwei Jahre alt, schrie in Todesangst. Ein Soldat hielt lachend die Mutter zurück, die ihre Arme nach dem Kleinen ausstreckte, während ein weiterer die Frau mit einem Knüppel zum Schweigen brachte.
Ein SS-Offizier tauchte auf.
"Was haben wir denn da für ein Vögelchen?"
...