"Das Edikt des Fürsten von Béarn erlaubt das schlimmste auf der Welt: Gewissensfreiheit !".
(Papst Clemens VIII.)
Nachdem König Heinrich IV. zum Katholizismus konvertierte, öffnet ihm Paris am 25.07.1594 die Tore. Der während der Belagerung der Stadt von den Generalständen zum König gewählte Charles de Guise (Prinz v. Joinville) aus dem Hause Lothringen, das angeblich bis auf Karl den Grossen zurückgeht, hat sich mit seinen Anhängern nach Reims zurückgezogen, die sich fest in der Hand der "Heiligen Liga" befindet. Neben der Stadt in der Champagne werden jedoch noch weitere Städte und Regionen von denen der Liga angehörenden Guisarden, unter der Führung des Herzogs von Mayenne und verbündeten spanischen Truppen kontrolliert. Infolge der entsetzlichen Wirren der Religionskriege, die Lebensmittelknappheit nach sich ziehen, müssen Erntearbeiten von militärischen Eskorten geschützt werden und die Armen betteln um Erlaubnis zum "Stoppeln" der abgeernteten Felder. Zur gleichen Zeit geißeln sich in Rom Flagellanten für die Sünden anderer und lassen sich dafür bezahlen. In Paris ist der von dem Spanier Ignatio von Loyola gründete Jesuitenorden aktiv, der den Bourbonen "Henry Quatre" nicht als König anerkennt, ihn vielmehr für einen rückfälligen und "fälschlich bekehrten" Ketzer hält....
....und inmitten dieses Szenarios bewegen sich der mittlerweile zum Marquis erhobene Pièrre de Siorac und sein hugenottischer Freund Monsieur La Surie (Miroul). Neben einem geheimen Auftrag in Paris, wird Pièrre von Heinrich IV. mit weiteren Missionen, die ihn nach Reims, Rom und schließlich nach Madrid führen, beauftragt. Der von seiner Ehefrau getrennt lebende Marquis de Siorac ist jedoch auch im sechsten Band der Romanreihe wieder in Sachen "Cherchez la femme" unterwegs. Diesmal schenken ihm/gewährt er außer Adelsdamen und Bürgerinnen auch einer Kurtisane und einer Herzogin seine Gunst......
In "Der Tag bricht an" schließt der Autor Robert Merle (der in seinem 96. Lebensjahr am 28.03.2004 in Paris verstorben ist) die Memoiren seines Protagonisten Pièrre de Siorac durch einem Sieg der Gewissensfreiheit über religiösen und politischen Fanatismus mit dem Morgenrot eines neuen Zeitalters ab. Der spannende, amüsante und geschichtlich gehaltvolle Roman gehört zu der insgesamt 13 Bände umfassenden Familiensaga "Fortune de France", die 1977 mit dem Erscheinen des gleichnamigen ersten Buches ihren Anfang nahm. Die vor dem Hintergrund der sich konstituierenden französischen Nation spielende, generationsübergreifende und patriotischen Familiengeschichte wurde millionenfach gelesen und zählt zu den größten historischen Romane der Weltliteratur der Gegenwart. Ein besonderer Reiz geht auch im sechsten Band von in direkter Rede gebrauchten französischen Begriffen und dosierten lateinischen, okzitanischen, spanischen, italienischen und sogar englischen Aussprüchen aus, die in Fußnoten recht originell übersetzt werden. So ist z. B. der Begriff "Quisquilien" mit "Peanuts würde man heute sagen" erläutert. Mit "Der Tag bricht an" wurde nun auch bei der deutschsprachigen Ausgabe die Lücke zwischen dem 5. Band ("Paris ist eine Messe wert") und dem eine Generation später mit den Memoiren des Pièrre-Emanuel de Siorac beginnenden 7. Band ("Der wilde Tanz der Seidenröcke") geschlossen.
Auch der sechste Teil des einzigartigen Zyklus aus der französischen Geschichte ist nicht nur sehr empfehlenswert, sondern für an europäischer Geschichte interessierte Leser ein "Muss" und mit 5 Amazonsternen zu bewerten.