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Wer hätte das vor wenigen Jahren gedacht: Vladimir Sorokin wird politisch! Massiv greift er in seinem neuen Roman "Der Tag des Opritschniks" die politische Entwicklung Russlands unter Vladimir Putin an und prophezeit seinem Heimatland für das Jahr 2027 ein Regime wie unter Iwan dem Schrecklichen im 16. Jahrundert. "Nie habe ich ein Werk so sehr als Poesie erfahren", sagt Vladimir Sorokin in einem Interview und erklärt damit, was der deutschen Übersetzung fehlt: Zwar lässt Sorokin im Auftrag des Geheimdienstes morden, brandschatzen und immer wieder vergewaltigen. Real, im Drogentraum - egal. Das wirklich Anstößige aber kann nur erfahren, wer Sorokin im russischen Original live lesen hört: Im Singsang des Skas', einer Form von russischem Rap des 16. Jahrhunderts, klingt ein durch Drogen hervorgerufener Traum von der Eroberung Amerikas eben nicht nur besonders perfide; sondern Sorokins fundamentale Kritik wird allein durch diese Textform deutlich. Da mag sich Übersetzer Andreas Tretner noch so anstrengen: Diese Fallhöhe zwischen Form und Inhalt kriegt er einfach nicht hin. Dafür gibt's mit schlechtem Gewissen einen Punktabzug. Was bleibt, ist die Hoffnung auf ein Hörbuch in Russisch und Deutsch. (jw)
Kurzbeschreibung
»Russlands Gegenwart ist nur noch mit den Mitteln der Satire zu beschreiben.« Vladimir Sorokin. Russland im Jahr 2027. Das Land hat sich vom Westen abgeschottet, lebt allein vom Gas- und Ölexport, pflegt Handelskontakte nur noch mit China und wird vom »Gossudar«, einem absoluten Alleinherrscher regiert. Dieser übt seine Macht mit Hilfe der Opritschniki, der »Auserwählten«, aus: einer allmächtigen Leibgarde, die vor keiner Bestialität zurückschreckt. Die Zeit der großen Wirren ist vorbei, die Restauration beendet. Nun hat die Monarchie wieder die Macht ergriffen. Das Land ist von der Großen Russischen Mauer umgeben und – bei allem technologischen Fortschritt – in die dunkle Zeit Iwans des Schrecklichen zurückgefallen. Die Opritschniki, die »Diener des Gossudar«, sind in roten Limousinen unterwegs, mit Hundeköpfen an den Stoßstangen und Besen am Kofferraum – Symbole dafür, dass jeglicher Widerstand ausgemerzt und von der russischen Erde gefegt wird. Zu dieser brutalen und korrupten Elite gehört auch Andrej. Seinen Arbeitstag beginnt er mit der Hinrichtung eines in Ungnade gefallenen Oligarchen, wohnt der Auspeitschung von Intellektuellen bei, ist der liebestollen Gemahlin des Gossudar zu Diensten und beschließt den Tag mit einer dekadenten Orgie. »Der Tag des Opritschniks« ist eine schmerzhafte Satire, eine negative Utopie im Sinne von Huxley, Orwell und Burgess. Das Erschreckende daran ist, dass sie der russischen Gegenwart beunruhigend nahe kommt. »Das epochale Werk blickt ins Innere jenes schwarzen Knotens, der die Gesellschaft im Innersten zusammenhält, und es tut dies ebenso märchenhaft zeitlos wie hochaktuell.« Kerstin Holm, FAZ Erscheint weltweit im Januar 2008. Russische Präsidentschaftswahlen im März 2008
Klappentext
"Sorokins Roman ist eine düstere Prophezeiung."
Berliner Morgenpost
Berliner Morgenpost
"Sorokins Buch ist eine krachende Anti-Utopie."
Handelsblatt
"Sorokin rechnet mit dem Russland Wladimir Putins ab."
Tagesanzeiger, Zürich
-- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe:
Taschenbuch
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Über den Autor
Vladimir Sorokin, 1955 in Moskau geboren, wurde durch den Roman "Die Schlange" berühmt und hat in Russland den Ruf als literarisches Enfant terrible.Andreas Tretner, geb. 1959 in Gera ist Übersetzer u.a. von Boris Akunin und Vladimir Sorokin.