Vladimir Sorokin: Der Tag des Opritschniks /Wilhelm Heyne Verlag München 2009
Die Handlung setzt Sorokin in das Jahr 2027. Eine Elite bestimmt das wirtschaftliche und politische Leben Rußlands. Den Begriff Opritschnik entnimmt er aus der Geschichte, wo man Adlige oder Krieger, die als Spezialtruppen zur Zeit Iwans des IV. Dienst taten. Die Opritschnina ist jener Apparat, der in Verwaltung und Militär dem Zaren unterstand und die Zentralgewalt festigte und verteidigte.
Projiziert in das Jahr 2027 beschreibt Sorokin eine solche Elite, die dem Führer /Machthaber bedingungslos folgt und damit selbst in den Vorzug von Status und Macht gelangt. Diese brutale und korrupte Elite stellt sich all jenen entgegen, die eine Gefahr für das herrschende System werden können. Andersdenkende, Intellektuelle, Wirtschaftler mit eigenen Konzeptionen werden verfolgt, bestraft oder vernichtet.
Eine besondere Rolle spielen in der Auseinandersetzung mit der Herrschaft im Inland die Chinesen. Darin spiegelt sich die gegenwärtig tatsächlich kritisch gesehene relativ unkontrollierte Einwanderung chinesischer Bevölkerung in Sibirien wider. Im Roman sind es die Chinesen mit denen man in Zollverwicklungen kommt und wie man sie austrickst.
Wenn auf der Rückseite des Buches darauf hingewiesen wird, dass Sorokin der schärfste Kritiker der gegenwärtigen politischen Elite Rußlands sei, so mag man das gelten lassen.
Das Buch wird aber jenen verständlicher, die den Beitrag des SWR-Dokumentarfilms im Ersten sahen: 'Die Ehre der Paten ' Rußlands Mafia'. Oft fragt man sich, warum und über welche Wege sind oder wurden manche in Rußland so extrem reich. Zum Teil waren es Schwerstverbrecher, die in den russischen Strafgefangenenlagern bereits ihre Struktur bildeten und im zivilen Leben fortsetzten. Gerade die 90er Jahre, die Zeit der Auflösung der Sowjetunion, die völlig ungeordnete Privatisierung von ehemals staatlichen Betrieben öffnete für jene Umtriebigen geradezu den Einstieg in Besitz und Kapital, auch mit Gewalt. Aus jener Zeit gibt es viele Tote. Die Friedhöfe verweisen auf Geschehenes.
Heute haben sich diese Personen etabliert, zum Teil im Ausland und rühmen sich ihrer Gesellschaftsfähigkeit, ihrer Wohltätigkeit in Kunst und Religion. Ihr Einfluß reicht in höchste politische Kreise. Wer eingeschlossen ist in diesen Apparat, kann einerseits nicht ausbrechen ohne Gefahr zu laufen vernichtet zu werden. Andererseits gibt die Opritschnina das Dach, den Schirm, der dem einzelnen Schutz gibt.
Diese Strukturen existieren weiterhin und Macht- und Herrschaft werden damit begründet und gefestigt.
Indem Sorokin den Roman in die Zukunft verlegt entgeht er der Gefahr, für offene Kritik an den politischen Strukturen Rußlands kritisiert und belangt zu werden.
Ein interessantes Buch vor allem für jene, die sich mit Geschichte und Gegenwart russischer Machtverhältnisse beschäftigen.