Der "Tag an dem die Erde still stand" ist im Original ein Film aus den 1950ern. Menschen hatten gezeigt, welches Potenzial sie besaßen, hatten dieses Potzenzial jedoch im Schrecken des Zweiten Weltkrieges offenbart. Der Kalte Krieg zog bereits heran. Das Original war ein Apell an die Menschen, zur Besinnung zu kommen und ihre vereinten Kräfte für den Frieden und die Zukunft zu nutzen. Auch hier landete ein Alien auf der Erde, mit einem (nicht ganz so) Riesenroboter im Gepäck und wollte mit den Herrschern sprechen, um an ihre Vernunft zu appelieren. Im Original setzte er seine überlegene Macht ein, um sich Verhör zu schaffen und schließlich vor den Vereinten Nationen zu sprechen.
Stilistisch hält sich das Remake in vielen Dingen sehr eng am Original (was auch das angestaubte Design des Riesen-Robos und die platte Mission von Klaatu erklärt) und hätte somit zu einem Geheimtipp für Nostalgiker werden können. Leider wurde dann an den falschen Stellen das Drehbuch "aufgepeppt" und man fragt sich, welches Zielpublikum angesprochen werden soll. In erster Linie vermutlich die Familie Will Smith. Ich weiß keinen anderen Grund, warum der Sproß von Mister "K" sonst in das Drehbuch geschrieben wurde. Der Sohnemann ist ein Vorlauter Bengel, der zwar einiges schauspielerisches Talent zeigt, das aber noch nicht in einer runden Rolle präsentieren kann. So springt Smith jun. nicht sonderlich überzeugend zwischen den Emotionen hin und her.
Wo im Original peinlich darauf geachtet wurde, den Alien Klaatu zu einem Friedensbringer werden zu lassen, der bei aller Machtdemonstration keine Schäden an Leib und Leben verursacht, lässt sich der moderne Klaatu ziemlich schnell von einer nicht sehr übezeugenden US-Würdensträgerin, die ein Relikt aus dem Kalten Krieg zu sein scheint, verschrecken und startet die Vernichtung der Menschen (auffällig übrigens, dass die Amis hier mal wieder Tendenzen aufzeigen, sich zum Sprecher der Welt zu erklären). Auch der bereits vor jahrzehnten eingeschleuste "Beobachter" macht kein sehr gutes Bild: "Jaja, hau sie alle weg, die Menschen verdienen's einfach nicht zu leben. Aber ich bleib trotzdem und sterb mit ihnen, weil ich mich so sehr wegen ihrer emotionalen Art in sie verliebt habe!" Tja, und anstatt den Roboter die Erde in Schutt und Asche legen zu lassen, lässt man ihn in moderner anumtende Nano-Insekten zerfallen, die wie Heuschrecken alles auffressen.
Zum Glück kann die Zieh-Mami mit ihrem Stief-Mündel in ihrer emotionalen Art Klaatu dann aber auch dazu bringen, sich in die Menschheit zu verlieben (oder doch nur in die Mami?), und im Gegensatz zu seinem Vorgänger stoppt er daraufhin die Verwüstung und alles ist wieder gut.
FAZIT:
Das Remake hält sich teilweise sehr am Original und behält damit einen gewissen Nostalgie-Charme, wartet dabei aber dennoch mit toller moderner Technik auf. An entscheidenen Stellen verlässt er jedoch die Vorlage in die falsche Richtung und zerstört damit seinen Charme. Außerdem scheint die Familie Smith maßgeblichen Einfluss am Drehbuch gehabt zu haben, um den Sohnemann zu promoten. Völlig daneben! So bleibt ein halbausgegorener Film, den man als Genre-Fan zwar mal geguckt haben kann, der ansonsten aber keinerlei nennenswerte Spuren in der Filmgeschichte hinterlässt.