Die Geschichten vom bösen Friederich, vom Feuerzeug, vom schwarzen Buben, vom wilden Jäger, vom Daumenlutscher, vom Suppenkasper, vom Zappel-Philipp, von Hans-Guck-in-die-Luft und vom fliegenden Robert sind mit den originalen, kolorierten Bildern und dem Text in der Sütterlin-Schrift eine wunderbare Reminiszenz an längst vergangene Zeiten. Die in den Geschichten vermittelten pädagogischen Verstellungen sind nicht gerade als modern zu bezeichnen, manches wirkt aus heutiger Sicht geradezu brutal. Trotzdem oder auch deswegen beeindruckt das bewusst altmodisch gehaltene Bilderbuch.
Ob das Buch für Kinder geeignet ist, sei dahingestellt. Die Geschichte vom Daumenlutscher ist sicher drastisch, bei den anderen empfand ich die Geschichten bemerkenswert aktuell. Sei es rücksichtslose, sinnlose Gewalt gegen andere, Mensch und Tier ('Der böse Friederich'); Intoleranz ('Schwarzer Bube'); Anorexia nervosa ('Suppenkasper'); ADHS ('Zappelphilipp'). Die Ereignisse vor wenigen Tagen im Bochumer Fußballstadion, als Fans ein bengalisches Feuer entzündeten und damit 8 Menschen (schwere) Brandverletzungen zufügten, zeigen: 'Feuerzeug' ist in den Händen von dummen oder unerfahrenen Menschen brandgefährlich! Anscheinend sind die Probleme die gleichen geblieben, die pädagogischen Ansätze zum Umgang damit haben sich verändert. Über den Erfolg lässt sich (wie immer) streiten.
Da der Text des Bilderbuches in Sütterlin geschrieben ist richtet sich diese Ausgabe sicherlich eher an (ältere) Erwachsene. Mir hat es viel Spaß gemacht, die alten Geschichten wieder zu lesen, auch wenn es zu Beginn nicht einfach war. Nicht nur wegen der holprigen Knittelverse und der Schriftart, sondern auch wegen des antiquierten Textes, in dem manche Begriffe heutzutage ungebräuchlich sind. Trotzdem war es ein echtes Vergnügen.