Das Schicksal der historischen Gestalt Theophanu interessierte mich sehr, da das Geschlecht der Ottonen stark mit meiner Heimatstadt Magdeburg verbunden ist.
Da in diesem Roman vorrangig historisch existente Personen agieren, war es sicher nicht leicht, hier einen flüssigen Roman zu schreiben und die einzelnen Personen zum Leben zu erwecken. Dies ist Beate Sauer mit hervorragender historischer Recherche sehr gut gelungen. Insbesondere unser Magdeburger Lieblingskaiser Otto I. ist in diesem Roman sehr gut gezeichnet, aber gerade Otto II., der meist im Schatten seines übermächtigen Vaters zurückbleibt, ist hier sehr menschlich und mit all seinen Fehlern und Schwächen dargestellt, so dass man sich besonders dieser historischen Gestalt gut annähern kann.
Auch der Konflikt zwischen Theophanu und Adelheid ist glaubhaft und nachvollziehbar gestaltet. Betrachtet man das Geschehen aus Sicht von Adelheid, so kommt vielleicht Theophanu hier etwas besser weg und Adelheid etwas schlechter. So kann ich mir beispielsweise nicht vorstellen, dass Adelheid tatenlos abwartet, was mit ihrem Enkel geschieht, wenn für diesen eine akute Gefahr bei der Entführung durch Heinrich besteht. Aber dies ist das Buch von Theophanu und so kann man diese Darstellungsweise durchaus akzeptieren.
Insgesamt fehlt bei einem derartig historisch festgelegten Stoff der Spielraum für ein wirklich spannendes Geschehen, da der Leser den Ausgang der Geschichte ja bereits kennt. So nimmt dieser Roman manchmal direkt biografische Züge an, er ist aber doch so flüssig geschrieben, dass er zumindest noch interessant ist.
Für meinen Geschmack hätten die einzelnen Handlungsorte und kaiserlichen Pfalzen etwas detaillierter und unterschiedlicher geschildert sein können. So unterscheiden sie sich kaum voneinander, es findet nur eine Aufzählung der einzelnen, sicherlich historisch korrekten Anlaufpunkte der kaiserlichen Familie statt, man muss manchmal doch ein paar Seiten zurückschlagen, um noch mal nachzusehen, an welchem Ort die handelnden Personen sich gerade befinden.
Ein flüssig geschriebener und historisch gut recherchierter Roman, der sich insbesondere für Leser empfiehlt, die sich für die Geschichte der Ottonen interessieren.