Ich habe dieses Buch vor Jahren zu meinem 12. Geburtstag bekommen - und es ist eines der wenigen Kinderbücher, die bis jetzt jeden einzelnen Umzug mitgemacht haben und das einzige, welches ich nicht verleihe, da es eine Zeit lang (meinen Informationen zufolge) nicht mehr aufgelegt wurde. Dies hat sich zum Glück geändert.
Die Geschichte des Halbbluts Little Tree, der bei seinen Großeltern aufwächst, nachdem seine Eltern gestorben sind, ist ein einziges großes Plädoyer an Menschlichkeit und Toleranz. Die Schilderung des Lebens der Indianer in der neuen "zivilisierten" Gesellschaft ist sehr realistisch und hat mir manches Mal ein flaues Gefühl der Wut im Bauch verschafft. Carter schafft es, den Kulturenclash einfühlsam und doch schonungslos zu vermitteln, wobei Little Tree als Protagonist die Welt aus seinen Augen schildert, was vor all zu großer Härte bewahrt, da er einiges noch nicht so richtig versteht und mit den großen, neugierigen und optimistischen Augen eines Kindes sieht.
Die Hoffnungslosigkeit der zum Untergang verdammten Kultur der Indianer stehen die Großeltern gegenüber, die ihren Enkel nach ihren Werten erziehen, welche meiner Meinung nach nicht "indianisch" sondern sehr erstrebenswert sind. Diese beiden Menschen bilden einen Ruhepol voller Wärme, Geborgenheit und einem Stück Lebensweisheit.
Eine spannende und unglaublich anrührende Geschichte, die mich nach wie vor in ihren Bann zieht und mich jedes verdammte Mal wieder zum Heulen bringt (und ich meine nicht zwei kleine zerquetschte Tränen!!)- das schaffen nur sehr, sehr wenige Bücher.
Lesen, unbedingt, sofort! Verschenken an alle, die sich gerne entführen lassen - egal wie alt, denn das hier ist definitiv kein Buch, das an irgendein Alter gebunden ist!