Als Viel-Hörer von Hörbüchern (Lesung oder Hörspiel), bin ich wohl schon ein bisschen verwöhnt, was dieses Genre angeht. Die Luft wird wohl irgendwann dünn(er) - oder man selbst ist zu verwöhnt? Ich halte das Hörspiel "Der Stellvertreter" nämlich für eine eher schwer verdauliche "Lektüre fürs Ohr" - so viel vorweg. Als Ersatz für das Lesen des gleichnamigen Buches halte ich diese Hörspielbearbeitung auch nicht für sinnvoll.
a) Das Thema ist zu interessant, als das man es sich "nebenbei" als Hörspiel anhört:
Als ich um das Thema las, um das es beim "Stellvertreter" ging wurde ich schnell neugierig (ich kannte das gleichnamige Buch von R. Hochhuth vorher nicht), geht es doch um reale geschichtliche Hintergründe der Judenverfolgung in Zusammenhang mit der Kirche; um Papst Pius' "Schweigen" zum Thema der Judenverfolgung im 2. Weltkrieg, nämlich.
Ohne Zweifel, ein brisantes Thema. Es gibt viele Kritiken (und richtiggehend kontroverse Diskussionen) um dieses "Stück" Hochhuths, und soweit ich auf dem Laufenden bin, ist sein Vorwurf an Papst Pius XII., jener solle "geschwiegen" haben zur Tatsache der Judenverfolgung, wohl nicht aufrechtzuerhalten. - Das zu beurteilen vermag ich allerdings nicht!
b) Die Tonqualität der Aufnahme ist nicht von hoher Qualität:
Gut, man muss dieser Hörspielfassung des HR einräumen, dass sie 1963 entstand, da sollte man schon ein Auge zudrücken, wenn nicht alles so perfekt klingt. Es kann nicht mit aktuell aufgenommenen Hörspielen mithalten, soviel steht fest. Das bedeutet aber auch, dass man sich als Hörer aufs äußerste konzentrieren muss um die Lautstärkenschwankungen der unterschiedlichen Sprecher zu identifizieren/ wahrzunehmen.
Das Hörbuch ist somit kaum für eine Autofahrt geeignet. - Ohnehin ist es - wegen der Brisanz des Themas - nicht geeignet als "Unterhaltungslektüre". Für Hörspiel-Fans der "alten Schule" jedoch ein Geheimtipp.