Der Stechlin! Ein legendenumwobener brandenburgischer See, ein unbedeutendes Schloss und sein Hausherr - Dubslav von Stechlin. Ein Landadliger der philosophierend über die Menschen und das anbrechende 20.Jhrd. nachdenkt. Da ist seine Schwester, die ein altes verfallendes Kloster verwaltet, die so verknöcherte altmodische Ansichten hat, das sie eigentlich nur noch ein überlebter Anachronismus ist. Schließlich der junge von Stechlin, der in Berlin beim Militär dient und sich dort zunächst zwischen zwei Schwestern nicht entscheiden kann. Dieser steht für das Moderne, wie es sich Fontane in seinem letzten, nach seinem Tod erschienen Roman, vorgestellt hat. Das Wechselspiel zwischen Tradition und Moderne zieht sich durch das Buch wie ein roter Faden. Hier sei erwähnt, wie der alte Stechlin den jungen Arzt abgelehnte und sich der alten Kräuterfrau zuwandte, die ihn von seinem Leiden befreien sollte.
Es ist ein ruhiger Roman, der durch hervorragende Dialoge glänzt und der Zeit bedarf. Die Grosse Brandenburger Ausgabe des Aufbau-Verlages zeigt die Fontane-Romane nach dem Erstdruck mit einem unerreicht excellenten Anhang. Hier werden historische Hintergründe, Worterklärungen und Zusammenhänge brillant erläutert. So eröffnete sich mir der Stechlin, den ich zuvor bereits zweimal gelesen hatte, völlig neu und verstand Anspielungen, Dialogpassagen und historische Hintergründe wesentlich besser. Wer sich für Fontane interessiert, dem kann ich diese Ausgabe nur empfehlen.