Wenn der Preis für die Kindle-Ausgabe nicht so günstig gewesen wäre, hätte ich den Roman wahrscheinlich nicht gelesen. Die Geschichte erzählt die Abenteuer von Tessa, einer Historikerin mit Schwerpunkt Wikingerepoche. Wer jetzt eine abenteuerliche, aktionsreiche Wikingergeschichte erwartet wird zumindest irritiert sein, denn in dem weitgehend aus der Perspektive von Tessa erzählten Roman geht es auch sehr viel um ihre Gefühle, Ängste, ihr bisher verkorkstes Liebesleben. Ihre Jugend und das problematische Verhältnis zu ihrem verstorbenen Übervater werden thematisiert. Dieser Teil ist so viel Frauenroman, dass ich schon aufhören wollte.
Was mich bei der Stange hielt, war die angenehm bildhafte Schilderung der Handlungsorte, die Geheimnisse eines Wikingerschiffs und auch die fast filmische Darstellung der Geschehnisse. Sowie eine angemessene Portion Humor und Selbstironie. Die Autorin scheint sich auch intensiv mit der beschriebenen Wikingerkultur und Zeit-Epoche beschäftig zu haben, soweit ich es aufgrund eines Norwegen- und Haitabubesuches und meines allgemeinen Interesses für Geschichte beurteilen kann.
Neben dem archäologisch, historischem Plot gibt es auch noch einen Ausflug in die nordische Mythologie. Zusammen mit einigen Sprüngen durch die Zeit macht dies den Fantasy Anteil aus.
Die Protagonistin ist eine interessante Wahl für einen Zeitreise-Wikinger-Abenteuerroman. Tessa ist eher der passive, duldende Typ. Wie sie sich durchsetzt und auch nur überlebt macht einen besonderen Reiz dieser Erzählung aus. Das langsamere Tempo, der bildhaft beschreibenden Teile wird ausgeglichen durch Perspektiv- und überraschende Ortswechsel, sodass die Geschichte insgesamt ein ausgewogenes, spannendes Tempo aufbaut.
Charaktere: Gut ausgearbeitet und authentisch. Motivationen sind überwiegend vorstell-und nachvollziehbar. Eins vielleicht: Ich glaube die Autorin unterschätzt den Wert, den Schiffe für einen Wikinger darstellen ;-)
Sprachstil: Bildhaft, dem man leicht folgen kann. Kleines Manko, Formulierungen und Verhaltensweisen im historischen Teil unterscheiden sich nicht von unserer Zeit. Dadurch fehlt etwas das mittelalterliche Flair, dafür ist es leichter zu lesen.
Perspektive: Protagonisten in der dritten Person aber als Innenperspektive. Er/Sie fühlte, sie entschied/sah/tat....
Originalität: etliche innovative Ideen und humorig, locker erzählte Romantik, in einer gegen Ende recht komplexen Geschichte.
Fazit: Als Mann hat man sicher eine etwas andere Sicht der Dinge und kann sich mit der Heldin nicht so richtig identifizieren, sie ist aber nicht unsympathisch und die Geschichte ist gut erzählt. Die Fans der Wikingerepoche werden auch auf ihre Kosten kommen. Für mich wieder Erwarten ein gutes 4 Sterne Vergnügen.