Tony Scott erzählt in seinem 1998 erschienenen Polit-Thriller "Enemy of the State" von einem Albtraum, der über jeden Bürger westlicher Geheimdienst-Staaten hereinbrechen könnte, der gerade zufällig zur falschen Zeit am falschen Platz ist.
Thomas Brian Reynolds (Jon Voight), NSA-Abteilungsleiter und Lobbyist der Geheimdienste, sieht sein Ermächtigungsgesetz in Gefahr und lässt den wichtigsten politischen Widersacher kurzerhand umbríngen. Ein Ornithologe hat zufällig den Anschlag gefilmt. Nun lässt Reynolds die Dienste tanzen: Als "Übung" kaschiert, geht das große Abhören, Verfolgen und Töten los. Der Ornithologe wird gleich mal zur Strecke gebracht. Vorher gelingt es ihm aber noch, dem zufällig getroffenen Anwalt Robert Clayton Dean (Willl Smith) die Kamera und den Film in eine Einkaufstasche zu mogeln.
Damit rückt der Anwalt in das Visier der übereifrigen Milchbärte bei den Diensten. Durch gezielte Fehlinformationen wird dafür gesorgt, dass "das Ziel" völlig isoliert wird und nirgendwo mehr über Freunde und Zuflucht verfügt. Einzige Hoffnung ist ein geheimnisvoller Privatagent, der ihm über eine frühere Freundin immer mal wieder kleine Aufträge erledigt hatte. Ein alter Ex-Agent (Gene Hackman) kämpft also im Alleingang gegen seinen (heute ca. 38000 Mann starken) Ex-Arbeitgeber NSA einschließlich der inzwischen engagierten Auftragskíller.
Die Technik, mit der überwacht, verfolgt und manipuliert wird, steht im Vordergrund. So unrealistisch manches realisiert wurde, die Wirkung auf die Zuschauer war verblüffend: "gute Bürger" in meinem Freundeskreis haben anscheinend erstmals ansatzweise begriffen, was da an Überwachung wirklich läuft, wie sehr längst alles jeder rechtlichen Kontrolle entzogen ist, wie leicht wirklich ein besserer Angestellter einen kleinen Kríeg gegen jeden beliebigen "Staatsfeind" vom Zaun brechen kann.
Natürlich läuft so etwas längst viel dezenter und subtiler, man benötigt weder diese Maschinerie noch die Mengen an Agenten, Waffen, Munition oder Sprengstoff, um beispielsweise einen IWF-Chef daran zu hindern, den Dollar als Leitwährung abzuschaffen. Aber letztlich zählt die Wirkung auf Otto Normalgutgläubig - und die scheint zu stimmen.
Im Original 132/140 Minuten, Format 2,35:1, DTS |DD| SDDS (IMDB)
film-jury 5* A0615 21.4.2012eg Genre: Action | Drama | Thriller