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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2002
Diese Erzählung gehe auf das Jahr 1962 zurück, schreibt Rezensent Hubert Spiegel, als Kertesz zum ersten Mal nach seiner Befreiung aus Auschwitz ein Konzentrationslager besucht habe, das KZ Buchenwald bei Weimar, damals in der sozialistischen DDR gelegen. Mit inquisitorischer Härte und Finesse sah Spiegel den Protagonisten der Erzählung einen nicht näher definierten Auftrag ausführen, dessen Hintergrund die Suche nach Verantwortlichen für die Nazi-Verbrechen ist. Im Zentrum des Textes sieht der Rezensent die Frage stehen, wie Literatur angesichts dessen, was sich nicht erzählen lasse, dem Vorwurf der Luge entgehen könne. Zu Unrecht habe die Erzählung lange im Schatten des weltberühmten "Roman eines Schicksallosen" gestanden. Die Sprache der Erzählung freilich zeichne eine "gewissen stilistische Euphorie" aus, wie der Rezensent, Kertesz zitierend, schreibt, der dies im Nachwort des Buches selbst als Folge "jener Sprachdisziplin" beschrieben habe, die er sich während der Arbeit am "Roman eines Schicksallosen" selbst auferlegt habe. Doch die gelockerten stilistischen Fesseln haben den Rezensenten einen ganz neuen Kertesz entdecken lassen: "parabelhaft und stark an Kafka gemahnend, zur philosophischen Sentenz neigend, immer wieder erzähltheoretische Passagen einstreuend".
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Kurzbeschreibung
»Die Konferenz, der Urlaub, die ganze Reise, alles war nur ein Vorwand für dich, um dorthin zu fahren. Mag sein, gab der Mann zu. Einmal muß ich meine Arbeit erledigen, setzte er hinzu, und vielleicht klang seine Stimme ungeduldiger, als er beabsichtigt hatte.« Nach Jahrzehnten ist es soweit. An einem heißen Sommertag macht sich der Mann in Begleitung seiner Frau auf, um Buchenwald, die Stätte seiner Erniedrigung und Leiden, zu besuchen. Er schlüpft dazu in die Rolle des überlegenen Fremden. Sie soll ihm erlauben, standzuhalten und abzurechnen, ein für allemal. Aber es kommt anders. Das KZ-Tor mit dem bekannten Spruch ist zwar da. Doch was dahinter war, die Vergangenheit, ist abgeräumt worden, fehlt. Ihm ist der Sieg verwehrt. Ganz allein also muß der Spurensucher fertig werden mit seiner Verlorenheit in einer nur allzu »normalen« Gegenwart die den Erregten für Augenblicke höllisch verzerrt anbleckt.