Le Carré schrieb mit diesem Buch das Referenzwerk der anspruchsvollen Spionagegeschichten, und zwar, wie die Legende besagt, innerhalb dreier Wochen. Und er rechnet schonungslos ab: Mit dem Mythos des romantischen Abenteurer-Agenten a la James Bond (wie er speziell im Film dargestellt wird). Mit der Illusion, dass im Kalten Krieg der "Westen" besser oder moralischer agiert, als der "Osten". Mit dem Vorurteil, dass moralische Kriterien für das Handeln der Geheimdienstagenten irgendeine Bedeutung hätten.
Le Carré zeigt schonungslos, dass das einzige Entscheidungskriterium von Menschen im Geheimdienstmilieu jenes der Nützlichkeit ist, dem alles untergeordnet, ja wenn erforderlich, auch geopfert wird.
Wenn es nützlich ist, einen amoralischen Verbündeten auf der Gegenseite zu haben, dann wird dieser unterstützt und dessen humaner Konkurrent vernichtet. Wenn es nützlich ist, einen Agenten ins soziale Abseits zu stossen und dessen Liebe zu einer "unbeteiligten" Idealistin als tödliches Werkzeug zu gebrauchen, dann wird auch dies gemacht. Und wenn es schliesslich die eigene Bilanz verbessert, dann wir einer der besten eigenen Agenten skrupellos geopfert, nachdem man ihn über den Zweck seiner Mission getäuscht und um seine Hoffnungen betrogen hat.
Die Leistung des Autors liegt darin, dass er zugleich mit der raffinierten Handlung die perverse Notwendigkeit und die notwendige Perversion der Geheimdienstaktionen darstellt: "Infantile, kriminelle und geistig kranke Menschen spielen ein schmutziges Spiel ohne Regeln, in dem nichts verboten ist, damit die grosse, dumme Masse nachts ruhig schlafen kann". Dies ist in etwa die Philosophie des Agentenberufes, die uns der Autor in diesem Buch vor Augen führt. Und er muss es wissen, denn er war selbst in diesem Metier tätig.
Für mich ist es nahezu unmöglich, die Botschaft des Buches noch besser, noch spannender, oder noch glaubhafter zu vermitteln. Deshalb ist dieser Roman für mich "Der beste aller Spionageromane" (wiewohl ich Amblers "Die Maske des Dimitrios" gelesen habe!)