Das ist eines der Bücher, bei denen der Vorspann wirklich mal gerechtfertigt erscheint, der darauf hin weist, dass Handlung und Personen frei erfunden sind (wobei auch das wieder nicht ganz stimmt).
In der Tat liest sich dieses Buch über weite Strecken so, als ob die berüchtigte Lieschen Müller auf der Basis von umfassenden Internetrecherchen einen Spionageroman verfasst hätte.
Wenn dieses Werk einen Preis verdient hätte, dann den für die schlechtesten Dialoge, die absurdesten Szenerien und die dümmsten Spione. Daneben verfügen die Agenten auch noch über Gewissen, als müssten Sie die Richtlinien der Europäischen Union hinsichtlich Political Correctness einhalten.
Kurz: an diesem Buch stimmt so gut wie gar nichts. Dass es für diejenigen, denen es gelingt, während der gesamten Lektüre das Hirn abzuschalten, leidliche Unterhaltung auf niedrigstem Niveau bietet, rechtfertigt noch lange nicht den Versuch, es als "großen Roman" in diese Serie zu schmuggeln.
Zur Sache: die Grundidee ist durchaus interessant. Da stürzt ein Privatflugzeug mit dem amerikanischen zukünftigen Präsidentschafskandidaten Kenneally (ein Mann mit "hoher Moral und Idealismus" - in dieser Person und ihrer Familie ist unschwer die Anspielung auf den Kennedy-Clan zu erkennen) vor der amerikanischen Ostküste ab. Ein Unfall, wie es scheint.
Dummerweise (für die Täter) war der Kandidat mit einem deutschen Regisseur befreundet, dem er von der Bedrohung durch seine Gegner berichtete.
Dieser Regisseur kennt nun als einziger die Verantwortlichen und wird daher von den Verschwörern mit dem Tode bedroht.
Zufälliger Weise lernt er auf einer griechischen Insel den (Ex-)Spion Ogden kennen, der ihn mit Hilfe seines unabhängigen Geheimdienstes bis zur öffentlichen Verkündigung des Mordkomplotts beschützt.
Diese Geschichte bildet den Rahmen für eine unglaubliche Anhäufung von Klischees über Geheimdienste und (amerikanische) Politik, wie man sie ansonsten nur in Parodien findet. Nur dass sich dieser Roman offenbar selber ernst nimmt.
Die Verschwörer sind: Ein pädophiler, der extremen religiösen Rechten angehörender Farmer (Südstaatler), ein Ku-Klux-Klan-Anhänger (Rassist), ein abtrünniger CIA-Agent (Sadist, Päderast), ein Waffenhändler (gewissenloser "Händler des Todes").
Wem bei der Vorstellung der Verschwörer zu Beginn des Romans noch nicht das Hirn schmerzt, der stolpert im folgenden häufig von Absatz zu Absatz über Peinlichkeiten, wie man sie sonst in Romanen dieses Genres selten findet. Da wird gemordet, als wäre die Welt eine Bühne für Geheimagenten, da treten Agenten auf, die sich dämlicher anstellen als kleine Jungs beim Versteckspielen, die Figuren sprechen Dialoge wie aus dem Textbaukasten der Trivialliteraten (wenn sie denn nicht gleich zu Zitaten von Allgemeinplätzen greifen), tauschen "harte" Blicke aus usw., dass es einem die Sprache verschlägt.
Da helfen auch vereinzelte Anklänge an die Realität nicht weiter.
Man muss schon den Verstand gezielt abschalten, um diesen Roman zu genießen.