Gibt es ein Buch von Dostojewski, die man mit Genuß in einer Zugfahrt von Stuttgart nach Wuppertal lesen kann, ein Buch also, das nicht die nächsten zwei Monate schwer wie Blei auf dem Nachttisch liegt? "Der Spieler" ist, kaum überraschend, die Antwort auf diese Frage. Die Protagonisten des kleinen Buches, ein ausgebrannter russischer Hauslehrer, ein alternder General und dessen exzentrische steinalte, aber auch steinreiche Tante versammeln sich an den Roulettetischen Bad Homburgs und Baden-Baden im Deutschland des ausgehenden 19.Jhdts. Der General, schwer verschuldet, erwartet sehnlichst das Ableben seiner angeblich kranken Tante, um das nötige Kleingeld für eine Hochzeit mit seiner Angebeteten zu erlangen. Die Tante jedoch fährt zum Erstaunen aller aus Rußland an den Ort des Geschehens und verspielt dort einen Großteil ihres Vermögens. Dostojewski gelingt es in meisterlicher Art die Atmosphäre in der Spielstadt zu zeichen.Die an sich nicht sonderlich originelle Handlung gewinnt dadurch erheblich. Wie in einem Film sieht man die - ob Haupt- oder Nebenfiguren- eindrücklichen Charaktere vor sich, wie sie ihre Intrigen planen, heitere und verzwungene Gespräche führen, Eklats provozieren. Wer jemals in seinem Leben selbst sich schon der Spielleidenschaft hingegeben hat, wird dieses Buch mit doppeltem Genuß lesen, wird er sich doch in diesem Buch in den verschiedenen Personen immer wieder selber entdecken können. Leider schwächelt das Buch gegen Ende etwas, der Nachklapp in Paris erscheint mir doch zu lang und unnötig. Wer also mal wieder etwas von Dostojewki lesen möchte, sich aber bisher aus Angst vor einem schweren Wälzer nicht aufraffen konnte, findet hier das ideale Buch vor.