...nanu, drei Monate nach Erscheinen noch immer keine einzige User-Rezension bei Amazon? Dann will ich mal: Ich habe erst geschwankt, ob ich vier oder fünf Sterne geben soll. Für vier Sterne spricht, dass sich der Anfang des Buchs etwas hinzieht. Er besteht aus Jugenderinnerungen des Helden an Partyexzesse, Naturerlebnisse, seine Clique usw. und hat nicht besonders viel mit Computerspielentwicklern zu tun, ausser dass der Held (oder eher Antiheld) Stefan schon in seiner Jugend Spiele machen wollte. Andererseits ist dieser Anfangsteil ein guter Kontrast zu den späteren Teilen des Buchs, die in der Gamesbranche spielen, sehr hektisch sind und wo es um Geld und Stress geht. Außerdem gewinnt der Held durch diesen ausführlichen Anfang an Tiefe. Deshalb dann doch im Ergebnis fünf Sterne.
"Der Spielemacher" ist ein wirklich ungewöhnliches Buch mit starker Sprache und viel Substanz - absolut nicht stromlinienförmig und schwer zu kategorisieren. Noch schwerer mit wenigen Worten zu beschreiben - vielleicht gibt es deshalb noch keine User-Rezensionen bei Amazon. Im Netz kann man aber schon einige Kritiken zu dem Buch finden (teils positiv, teils negativ).
Das Bieler Tagblatt, eine größere Zeitung in der Schweiz, bringt es ziemlich gut auf den Punkt:
Stephan arbeitet als Produzent von Videospielen. Sein Arbeitsalltag ist geprägt von hohem Arbeitsdruck. Seine künstlerischen Visionen werden dabei von Routine recht schnell entzaubert. In der rauen wirtschaftlichen Realität lernt Stephan in kürzester Zeit, was Verrat und Korruptionen bedeuten. Die vielen arbeitsreichen Jahre in der Branche hinterlassen körperliche wie seelische Spuren. Schliesslich ändert ein folgenschwerer Fehler sein Leben radikal, und Stephans Weg führt ihn nach Indien.
Potential wird Wirklichkeit
Während des Rückflugs von Neu Delhi nach München schliesslich lässt Stephan sein Leben Revue passieren und gelangt dabei zu erstaunlichen Einsichten. Mit diversen Rückblenden begleitet der Leser die Romanfigur zurück in seine Jugendjahre, in denen er beschliesst ein Computerspiel zu produzieren. Was anfangs nur müde belächelt wird, gewinnt nach und nach Potential und wird Wirklichkeit. Eine steile Karriere beginnt.
Retroschwärmerei
Autor Johannes Ulbricht ist ein Kenner der Szene und selber ein Fan von Video- und Computerspielen. Mit vielen kurzen Seitenhieben und Retroschwärmereien wird er gerade Fans, welche sich seit den frühen 70er Jahren mit der digitalen Kultur beschäftigen ein regelmässiges Schmunzeln aufs Gesicht zaubern, fühlen sich doch solche Leser direkt angesprochen und erinnern sich an die eigenen Jugendjahre. Die anfangs konfusen Parallelerzählungen von Gegenwart und Rückblenden mögen verwirren, doch wer sich mit den Erzählsträngen und den Zeitsprüngen erstmal angefreundet hat, wird das Buch so schnell nicht wieder aus der Hand geben.