Man könnte, kritisch betrachtet, auch sagen, dass es gar ein wenig zu viel ist, was Tarkowskij dem Zuseher bei "Der Spiegel" abverlangt. Der Streifen erfordert höchste Konzentration! Verpackt in filmischen Metaphern verarbeitete Tarkowskij hier sein eigenes Leben. Untermalt wird das Ganze von (sehr schönen) Gedichten des Vaters. Der Wechsel zwischen Schwarzweiß und Farbe soll dem Zuseher helfen, die Orientierung beizubehalten - was nicht immer leicht ist! Kunstvoll "tröpfelt" die Geschichte von einem Extrem ins nächste. "Der Spiegel" stellt eine nicht zu unterschätzende emotionale Herausforderung dar. Nach über 102 Minuten Spielzeit - für Tarkowsij-Verhältnisse ja gar nicht mal so lange - fühlt man sich ausgelaugt, teilweise berührt und auch etwas verunsichert. Schon bei der "Solaris"-Rezension habe ich von Filmliteratur gesprochen. Dasselbe gilt auch für diesen Streifen, sogar mit noch höherer Intensität!
Hervorragend gelungen erscheinen mir persönlich die im Film verarbeiteten Archivaufnahmen (spanischer Bürgerkrieg, Revolution in China etc.). Auch die schauspielerische Darbietung (aller Akteure) lässt keine Wünsche offen.
Weniger gefallen hingegen hat mir der "Rahmen" des Films, wenn ich ehrlich bin. Meiner Meinung nach überFORDERT Tarkowskij hier die Zuseher teilweise. An einigen Stellen ist es ein Zuviel an Geballtheit, obwohl man während des Ablaufs stets das Gefühl hat, als ließe sich die Geschichte Zeit, was bestimmt an der Aussparung von Dialogen liegt. Wie gewohnt lässt der russische Meisterregisseur die Bilder sprechen; vielleicht aber eben etwas ZU viel...
Nun denn: Alles in allem ist "Der Spiegel" freilich eine sehenswertes Filmerlebnis. Ich persönlich habe "Solaris" ehrlich gesagt aber um eine Klasse besser gefunden!
Für Tarkowskij-Freunde wohl ein Muss, aber selbst für solche nur an aufnahmefähigen Tagen.
Fazit: Nichts für müde oder volle Köpfe - ein Film zum Denken!!
Insgesamt GUT!!!