Da greift man in den Auslagen eine Buchladens nach diesem Buch, dessen Umschlaggestaltung schon ein echter Hingucker ist, in der Erwartung, einen weiteren Erstling eines jungen Deutschen Autoren in der Hand zu halten, der sich über die Folgeschäden ausläßt, die er davongetragen hat, weil seine Eltern in den siebzigern den Absprung aus der Flower-Power-Hippie Ära nicht geschafft haben.
Und dann kommt alles anders. Hier ist ein Autor, der eine Geschichte zu erzählen hat, der eine Figur schafft, die besonders ist, eine Figur wie aus der "Straße der Ölsardinen" oder aus einem Dickens-Roman. Ein liebenswert verrückter geheimnisvoll anarchischer Spinner, der Sperrmüllkönig. Das Leben des Erzählers verstrickt sich mit dem des Sperrmüllkönigs auf den unterschiedlichsten Ebenen und alles endet in einem elektrostatischen finale furioso. Rautenberg erzählt greifbar, fesselnd und überraschend mit einer Vielzahl unverbrauchter Bilder. Da packt niemand "seine sieben Sachen", Worte bekommen eine neue Bedeutung, das Leben einen neuen Zusammenhang, die Welt eine neue Ordnung. Alles auf 160 Seiten, die man in einem Zug aufsaugt, um dann befreiter auszuatmen.