Wer über den spanischen Bürgerkrieg nichts oder so gut wie nichts weiß, kann hier beherzt zugreifen, denn Beevor gelingt eine ausgezeichnete Gesamtdarstellung eines komplexen Konfliktes.
Die großen Stärken des Buches sind dabei zwei Dinge: Erstens die neutrale Sichtweise - Beevor schildert, ohne selbst eine moralische Wertung vorzunehmen, die Vorgehensweisen (Selbstsäuberungen, Exekutionen von Gefangenen etc.) sowohl der rebuplikanischen, als auch nationalspanischen Seite und "bevorzugt" dabei niemanden. Zweitens gefällt das Buch durch eine gründliche, ereignisgeschichtliche Darstellung. Zwar haben sozial- und strukturgeschichtliche Analysen durchaus ihre Daseinsberechtigung, doch gehen sie fehl, wenn einem die militärgeschichtlichen Hintergründe für ein Verständnis fehlen und gerade weil der spanische Bürgerkrieg (im Gegensatz zu den Weltkriegen etwa) nicht so sehr ins historische Bewusstsein gedrungen ist, erscheint die Darstellung der einzelnen Schlachten als detalliert sinnvoll, auch wenn Beevor manchmal dabei übers Ziel hinausschiesst.
Eng verbunden sind damit auch die kleineren (und ggf. größeren Kritikpunkte): Wer in der spanischen Geographie nicht sattelfest ist, wird trotz der beigefügten Karten manchesmal seine Liebe Mühe und Not haben, dem Geschilderten zu folgen. Gleiches gilt für die Darstellung der involvierten Einzelparteien und Interessengruppen, die besonders auf republikanischer Seite zahlreich und manchmal recht verwirrend sein können, da Beevor (naturgemäß) nach der ersten Vorstellung nur noch mit den Abkürzungen arbeitet. Auch hier hilft ein im Anhang beigefügtes Abkürzungsverzeichnis, auch hier kann aber das ständige Hin- und Herblättern bisweilen den Lesefluss stören.
Beevors Texte lesen sich flüssig und er verliert sich erfreulicherweise nur selten in kontrafaktische Überlegungen und Anekdötchen, die bisweilen für anglo-amerikanische Geschichtsschreiber üblich sind. Die wenigen Ausnahmen sind gut belegt und fügen sich sinnvoll in die Darstellung ein (insbeondere am Ende).
Teilweise merkt man Beevor methodische Schwächen und Widersprüche an - so wird z.B. an einer Stelle die Fähigkeit der Nationalspanier erwähnt, wertlosen Raum preiszugeben (Teruel-Schlacht), an anderer Stelle (Ebro-Offensive) Francos Bestreben, den Republikanern nicht einmal ein Minimum an Raum zuzugestehen.
Auch ist es bedauerlich, dass am Ende einer 500-Seitigen Monographie der Autor sich einer Schlussfolgerung der Gesamtdarstellung dadurch entzieht, weil er sie als zu "bequem" empfindet. Auch wenn man sicherliche tiefengeschichtliche Aspekte nicht angemessen in einer Zusammenfassung darstellen kann, so sollte sie doch die großen Fragen zusammenfassend beantworten können, selbst wenn man dabei die Gefahr einer Simplifizierung in Kauf nehmen muss.
Doch das alles schmälert nicht die Leistung des Gesamtwerkes.
Einzig wirklich großes Manko (welcher zu 99% der abezogene Wertungsstern geschuldet ist) ist die geschichtliche Zusammenfassung der spanischen Geschichte am Anfang, die Beevor selbst in seiner Danksagung als "zu mechanisch" beschreibt, was aber gnädig untertrieben ist - eine solche verknappte, monokausale Darstellung dürfte wohl nicht einmal den Anforderungen eines geschichtlichen Schulkurses standhalten und sollte vom Autoren schleunigst überarbeitet werden.