Thomas Marshfield, die tragikomische Hauptfigur dieser geistreichen und kunstvollen Burleske, übt sein Amt auf eigenwillige Weise aus: Die Lämmer, die er als Geistlicher auf die Weide gefühlvoller Glückseligkeit führt, sind alle weiblichen Geschlechts. Die Übungsstunden mit der Organistin Mrs. Alicia Crick eröffnen ihm ein Elysium schon im Diesseits erfüllbarer Wünsche. Alicia, Jane (seine Frau), Frankie, Gerry, Julie, Bernie - die Reihe scheint ohne Ende. Als die verführerische Frankie Harlow diesen Pragmatiker der Menschenliebe fragt, in der Hoffnung, ihn nur mit zwei weiteren Geliebten teilen zu müssen: «Bin ich denn die einzige andere?», antwortet er: «Nun, nicht ganz.» Frankie Harlow ist zerrissen im Konflikt zwischen Konvention und Neigung. Und immer noch ist die Konvention mächtiger: Weil Tom verheiratet und Frankie die Frau des Vorsitzenden des Board of Deacons ist, wird wenigstens einer der Sünder in die Wüste geschickt: Tom wird von seinem Bischof in ein Motel in Death Valley verbannt. Doch entbehrt diese Oase für gefallene Gottesmänner nicht gewisser paradiesischer Umstände: Zwischen Golfspiel und Cocktailstunde ist vielerlei Gelegenheit, den Gedanken an den Leib Christi mit anderen Körperphantasien zu vertauschen. Tom nähert sich denn auch mit unzweideutigen Absichten der Direktrice dieser gastlichen Auffangstation, Mrs. Prynne. Ihr verdanken wir sozusagen auch dieses Buch: Sie bringt Thomas Marshfield auf die Idee, sich aus psychotherapeutischen Gründen in einem Tagebuch vor uns (und vor ihr, die er damit zu verführen hofft) zu entblößen. Das Tagebuch, das er führt (und das dieses Buch ist), attackiert alles, was der großen theologischen und philosophischen Überlieferung des Westens heilig ist. Dies ist vor allem der - von Religion und Gesetz als unaufhebbarer Widerspruch verewigte - Zwiespalt zwischen Geist und Fleisch oder: zwischen «Gott und Freud».