Wir haben uns einiges vorgenommen, manche halten uns für hoffnungslose Utopisten, Idealisten, weltfremde Spinner. Aber Utopie ist Hoffnung, Hoffnung verlangt Arbeit, sinnvolle Arbeit, und setzt Denken voraus - gerade in dieser jetzt aus allen Fugen geratenden Welt.
Konrad Wolf
Der Titel des Buches ist auf den Film Sonnensucher" zurückzuführen. Konrad Wolf drehte ihn in den Jahren 1957/1958 und er spielt in der Zeit der beginnenden Wismut-Ära.
Sonnensucher waren die Menschen, die zu Tausenden mit Geld und Sonderdeputaten zur Wismut gelockt wurden. Glücksritter, ehemalige Wehrmachtsangehörige, Kommunisten, Idealisten, Anarchisten und zwangsverpflichtete Arbeiter, Schulter an Schulter mit russischen Arbeitskräften. Ihr Leben, ihr Neuanfang, in einer im Aufbau befindlichen neuen Gesellschaftsordnung, dem Sozialismus, sollte anschaulich dargestellt werden. Nicht nur die oft unmenschlichen Arbeitsbedingungen, an denen so mancher zerbrach, wurden objektiv in Szene gesetzt, sondern auch der Übermut und der unendliche Hunger nach Leben gezeigt. Sadistische und sexistische Entgleisungen, verbunden mit dem Teufel Alkohohl, standen damals bei der Sowjetischen Aktiengesellschaft Wis-mut auf der Tagesordnung.
Gefühle wie Verbitterung, Desillusionierung und Apathie kochten hoch und fanden ihren Nährboden. Der Film war Konrad Wolf so gut gelungen, dass er vorsorglich gleich mal von der Partei- und Staatsführung der DDR verboten wurde und erst 1972 zur Aufführung kam.
Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Mannes, der, in Süddeutschland aufgewachsen, schon in frühster Jugend mit seiner Familie vor den Nazis in die Sowjetunion emigrieren musste, als sowjetischer Soldat 1945 wieder deutschen Boden betrat und den festen Willen hatte, ein besseres, friedlicheres Deutschland aufzubauen.
Ein Kommunist und Idealist, der letztlich an der Borniertheit und Dummheit der SED-Kader sowie an der kolonialartigen Besetzung Ostdeutschlands durch die Sowjetunion scheiterte.
Beide Autoren, Wolfgang Jacobsen und Rolf Aurich, legen damit ein lückenloses Porträt von einem Menschen, Künstler und überzeugten Kommunisten vor, der unser aller Achtung verdient. Wobei sie sich an Fakten halten und wenige Mutmaßungen anstellen.
Dass sie politisch ein ganz anderes Weltbild haben, und dieses auch oftmals zum Ausdruck bringen, ist zweitrangig und ohne nachhaltige Bedeutung.
Dennoch haben sie mit diesem Lesestoff ein hervorragendes Zeitdokument vorgelegt. Ein Buch, welches sich wie ein spannender Roman liest, und detaillierte Eindrücke der unterschiedlichen politischen Entwicklung der beiden Teile Deutschlands vermittelt.
Auf der einen Seite Menschen, die etwas Neues wagen, eine neue Gesellschaftsordnung errichten wollen und letztlich an der Ideologie von Partei und Staat scheitern. Auf der anderen Seite Menschen, die so weitermachten wie sie 1945 aufgehört hatten und keinerlei Verständnis für den sozialistischen Teil Deutschlands aufbringen konnten.
Ein geteiltes Deutschland und der Kalte Krieg zwischen Ost und West bestimmten das Leben von Konrad Wolf.
Fazit des Buches: Konrad Wolf, aber auch sein Bruder Marcus Wolf, waren ihrer Ideologie treu geblieben. Auch dann, als schon lange die Revolution ihre Kinder gefressen hatte". Die SED und die Staatsführung der DDR haben bewusst und unbewusst ideologisch alles dazu getan, den großen Traum, den Traum von Sozialismus und Kommunismus, endgültig zu begraben.