...es ist mir eine Ehre, ihr Freund zu sein." Bis dieser Satz aus dem Mund des Zeitungskolumnisten Steve Lopez(Robert Downey jr.) kommt, ist eine Menge geschehen. Der kreative Schreiber der Los Angeles Times ist immer auf der Suche nach neuen Geschichten. Seine Kolumne sucht die Stories neben dem Alltäglichen. Als Steve eines Tages zufällig den Obdachlosen Nathaniel Ayers(Jamie Foxx) trifft, der auf einer Geige mit nur zwei Saiten spielt, ahnt er nicht, dass diese Begegnung sein Leben verändern wird. Für Nathaniel scheint es nur Beethoven und die Musik zu geben. Steve spricht mit Nathaniel, erkennt, dass dieser geistig verwirrt ist und vermutet doch eine Story. Er recherchiert mit Nathaniels Namen und stösst auf die Geschichte eines musikalischen Wunderkindes. Steve beginnt zu schreiben und schon bald erreicht ein geschenktes Cello die Redaktionsräume. Steve gibt es Nathaniel und der scheint glückselig. Doch Steve will mehr. Entgegen der Ratschläge seiner Ex-Frau Mary(Catherine Keener) und den Tips von der Obdachlosen Beratungsstelle "The Lamp" mischt sich Steve immer mehr in Nathaniels Leben ein. Er will ihm eine Wohnung und eine zweite Chance bescheren. Das sorgt einerseits dafür, dass Nathaniel Steve für einen Gott hält, aber sich andererseits von diesem Gott in eine Ecke gedrängt fühlt, die er für immer verlassen wollte. Steves Ehrgeiz sprengt die Grenzen der Freundschaft und die beiden ungleichen Charaktere driften auf eine menschliche Katastrophe zu...
Was für ein Film...oder besser gesagt: Was für Bilder! -Der Solist- hat bei den Kritikern von gnadenlosen Verrissen bis zu grenzenloser Begeisterung alle Reaktionen hervorgerufen. Kein Wunder. Ein Stück weit ist Joe Wrights Verfilmung des Romans von Steve Lopez ein Experiment. Was Wright an Perspektiven, Blenden, Schnitten, Geräuschen und News-Einspielern auf uns niederprasseln lässt, das ist brillant. Dazu wagt er sich an musikalisch-visuelle Verbindungen heran, die man auf dem Bildschirm nur selten sieht. Das können abstrakte Farbspiele zu leiser Cellomusik sein, aber auch wunderbare Einstellungen fliegender Vögel über der Silhouette von Los Angeles von beeindruckender klassischer Orchestermusik unterlegt. -Der Solist- ist in diesen Momenten nicht auszurechnen, das ist seine ganz große Stärke. Nebenbei taucht der Film ganz tief in das Elend, das Leid und die Not von 90.000 Obdachlosen, die es in Los Angeles gibt, ein. Der Spagat zwischen einer bewegenden Geschichte und der trostlosen Realität ist Joe Wright dabei extrem gut gelungen.
Wenn man gut Scripts und Rollen mit den Namen von Schauspielern gleichsetzen kann, dann ist Robert Downey jr. einer dieser Namen. Downey füllt die Figur Steve Lopez bis in die Haarspitzen aus. So wie er die Zerrissenheit, das Engagement und die Liebe zu seinem Beruf darstellt, können das nur wenige Mimen. Downey jr. ist und bleibt ein absoluter Ausnahmeschauspieler. In Kombination mit Jamie Foxx ist das ein Schauspiel-Schwergewichts-Duo vom Allerfeinsten.
Für mich persönlich ist -Der Solist- vielleicht eine der bewegendsten Geschichten der letzten Jahre, die auf der Leinwand erzählt wird. Dabei sind Parallelen zu -Der Champ- nicht zu übersehen. Der Film hält sich an keine gängigen Klischees, erwartet vom Zuschauer genaues Hinsehen; will aufrütteln und bewegen. Die Schauspielleistungen sind hervorragend. Wenn das einen Zuschauer, der von klassischer Musik genau so weit entfernt ist wie ich(ich schätze mal so ungefähr die Entfernung Erde-Mond) absolut begeistert, dann hat Joe Wright alles richtig gemacht. Gibt es denn gar nichts zu meckern? Doch, eine Kleinigkeit möchte ich noch anmerken: Bei der Auswahl der deutschen Synchronstimmen halte ich es nicht unbedingt für geschickt, wenn Jamie Foxx die "übliche" Synchronstimme von Robert Downey jr.(Tobias Meister) erhält und Downey jr. mit der deutschen Stimme von Cuba Gooding jr.(Dietmar Wunder) "unterwegs" ist. Das wirkte am Anfang verwirrend auf mich.
Letztendlich kann ich ihnen -Der Solist- nur wärmstens ans Herz legen. Aber erwarten sie keinen geschmeidigen 08/15 Filmstoff, der sich von allein anschaut. Sie werden sich schon ein wenig einbringen müssen. Wenn sie das können, erwartet sie ein wunderbarer Filmabend.