Es bekommt der Glaubwürdigkeit einer Geschichte nicht, wenn die Autorin im Nachwort betont, daß sie sich in Wirklichkeit so nicht zugetragen hat.
Caesarion, der Sohn von Kleopatra und Julius Caesar, erwacht auf seinem eigenen Scheiterhaufen, wo man ihn hingelegt hat, weil man ihn nach einer Verwundung und einem heftigen epileptischen Anfall für tot gehalten hat. Er war schon auf der Flucht: die Römer hatten das Land überrannt, Alexandria eingenommen und ihn nun eingeholt. Rhodon, sein Lehrer, hatte ihn verraten. Caesarion schleppt sich durch die Wüste, wo er nach einem neuen Anfall von dem Kaufmann Ani aufgesammelt wird. Auf dem Weg nach Alexandria schwankt Caesarion zwischen dem Wunsch nach einem heroischen Tod und einem Leben als unerkannt anonym bleibender Ex-König und Ex-Gott, bis ihm in Alexandria diese Entscheidung aus der Hand genommen wird...
Die Erzählung selbst löste über weite Strecken nur ein "hoffentlich ist sie bald vorbei" aus. Das ist für ein Buch von Gillian Bradshaw höchst ungewöhnlich: normalerweise las ich mich fest, wurde spätestens ab Seite 15 in den Strudel einer Geschichte gezogen, die ich nicht mehr aus der Hand legen konnte, bis sie vorbei war, und bedauerte es sehr, wenn sie vorbei war. Nicht so hier.
Ich habe zwei Anläufe gebraucht, bis ich das Buch gelesen hatte. Das liegt im wesentlichen an den zahlreichen qualvollen Schilderungen der epileptischen Anfälle und den Rückblenden an grausige Ereignisse, an die sich Caesarion während dieser Anfälle erinnert. Das Erzähltempo gleicht dem gemächlichen Hinfließen eines Flusses in der Ebene: für mich stellenweise etwas langsam, auch wenn es zu der Geschichte passt.